Mutmaßlicher Brandstifter bei OpenAI-Chef hatte offenbar KI-Existenzängste
Zweites Update vom 12. April 2026:
Die Organisation PauseAI, die sich für einen Stopp der KI-Entwicklung einsetzt, verurteilt den Angriff scharf. Moreno-Gama sei kein Pause-AI-Aktivist gewesen.
"Wir wünschen Sam Altman, seiner Familie und allen Betroffenen Sicherheit und Frieden. PauseAI existiert, weil wir glauben, dass jeder Mensch das Recht hat, sicher zu sein - auch Sam Altman und seine Angehörigen. Gewalt gegen irgendjemanden steht im Widerspruch zu allem, wofür wir stehen", heißt es in einer Stellungnahme.
Laut PauseAI trat der Mann vor etwa zwei Jahren dem öffentlichen Discord-Server bei, schrieb dort 34 Nachrichten und hatte ansonsten keine Rolle in der Organisation. Eine Nachricht sei von Moderatoren als mehrdeutig eingestuft worden, woraufhin er eine Verwarnung erhielt. Nach dem Angriff wurde er gesperrt. Ein Moderator habe begonnen, seine Nachrichten im Rahmen des üblichen Sperrverfahrens zu löschen, sei aber gestoppt worden, als man erkannte, dass die Nachrichten für mögliche Ermittlungen relevant sein könnten.
PauseAI betont, gewaltfreie Protestformen wie Petitionen und politische Bildung zu verfolgen. Die Organisation warnt: Ohne friedliche Kanäle für besorgte Menschen bestehe die Gefahr, dass Einzelpersonen ohne Rückhalt handeln.
Update vom 12. April 2026:
Mutmaßlicher Brandstifter bei OpenAI-Chef war Anhänger der Protestgruppe Pause AI
Moreno-Gama war offenbar Anhänger der "Pause AI"-Gruppe, die gegen die Entwicklung fortschrittlicher KI protestiert und sie für eine potenzielle Bedrohung für die Menschheit hält. In seinem Substack verfasste er zwischen Januar und März sechs lange Beiträge. Unter anderem warnte er in seinem Text "Eine Grabrede für die Menschheit" vor dem Aussterben der Menschheit durch KI.
KI-Systeme handelten "nicht im Interesse der Menschen" und seien ein existenzielles Risiko. Tech-Führungskräfte nannte er "höchstwahrscheinlich soziopathisch" und warf ihnen vor, "mit der Zukunft der Menschheit zu spielen". Sich selbst sah er in diesem Szenario wohl als "Krieger".
Warum also zur Hölle sollten wir das wissentlich tun? Wunderbare Frage, meine Antwort ist: Ich habe keine Ahnung, aber wir tun es trotzdem; weil ein paar unsichere Männer an der Spitze es so entschieden haben (wir tun es außerdem mit so wenig Leitplanken wie möglich und auch so schnell wie möglich, falls euch das besser schlafen lässt.)
[…]
Der Krieger ist nicht nur bereit, für seine Ideen zu sterben, sondern auch bereit zu töten. Er setzt seine Ideen in die Tat um, indem er in Kriege zieht, weil er glaubt, dass die Welt von seinen Taten profitieren wird.
Moreno-Gama in "A Eulogy for Man"
Auf Discord nutzte er laut der Kommunikationsforscherin Nirit Weiss-Blatt den Namen "Butlerian Jihadist" - eine Anspielung auf die Science-Fiction-Reihe "Dune", in der die Menschheit Maschinen zerstört. Im Dezember schrieb er im PauseAI-Server: "Wir sind kurz vor Mitternacht, es ist Zeit zu handeln." Ein Moderator warnte ihn daraufhin, dass Aufrufe zu Gewalt zum Ausschluss führen würden. Pause AI hat den Nutzer inzwischen vom eigenen Discord-Server gelöscht.
Update:
Ein Verdächtiger wurde laut dem San Francisco Standard festgenommen. Der 20-jährige Daniel Alejandro Moreno-Gama wurde am Freitagnachmittag, dem 10. April 2026, in das Bezirksgefängnis von San Francisco eingeliefert.
Moreno-Gama soll gegen 3:40 Uhr morgens einen Molotowcocktail gegen das Metalltor von Sam Altmans Haus im Stadtteil Russian Hill geworfen haben. Sicherheitskräfte vor Ort löschten das Feuer, Überwachungskameras filmten den Vorfall.
Kurz darauf tauchte eine Person mit passender Beschreibung vor der OpenAI-Zentrale in Mission Bay auf und drohte laut dem Unternehmen, das Gebäude niederzubrennen. Die Polizei nahm den Mann fest. Ihm werden versuchter Mord, Brandstiftung, Besitz oder Herstellung eines Brandsatzes sowie weitere Straftaten vorgeworfen.
Ursprünglicher Artikel:
Brandanschlag auf Sam Altman: Molotow-Cocktail prallt an Haus von OpenAI-Chef ab
OpenAI-CEO Sam Altmans Haus wurde nachts mit einem Molotow-Cocktail beworfen. In einem persönlichen Blogpost teilt er ein Familienfoto, räumt Fehler ein und vergleicht die KI-Branche mit dem "Ring der Macht".
Altmans Haus wurde nachts um 3:45 Uhr mit einem Molotow-Cocktail beworfen. Der Brandsatz prallte laut Altman vom Haus ab, niemand wurde verletzt. Altman vermutet einen Zusammenhang mit einem kürzlich erschienenen kritischen Artikel über ihn, den Altman als "hetzerisch" bezeichnet, dessen Wirkung er zunächst unterschätzt habe.
In dem Beitrag äußert sich Altman auch zu seiner Arbeit: KI müsse demokratisiert werden, die Kontrolle dürfe nicht bei wenigen Unternehmen liegen. Die Angst vor KI sei berechtigt, die Gesellschaft erlebe gerade den größten Wandel seit langer Zeit, vielleicht den größten überhaupt.
Es benötige dringend eine gesamtgesellschaftliche Antwort auf neue Bedrohungen, einschließlich neuer politischer Maßnahmen für einen schwierigen wirtschaftlichen Übergang. Der demokratische Prozess müsse mächtiger bleiben als Unternehmen.
Er räumt Fehler ein, etwa, dass er Konflikte vermieden und damit viel Schaden verursacht habe, und den Umgang mit dem früheren OpenAI-Board. Er sei sich bewusst, dass OpenAI jetzt eine große Plattform sei und nicht mehr ein kleines Startup, und man berechenbarer agieren müsse.
Dennoch sei er stolz darauf, Elon Musks Forderung nach einseitiger Kontrolle über OpenAI widerstanden zu haben. Man habe es gegen alle Widerstände geschafft, leistungsfähige KI zu bauen, das nötige Kapital für die Infrastruktur aufzubringen und sichere Dienste in großem Maßstab anzubieten. Viele Unternehmen behaupteten, die Welt zu verändern – OpenAI habe es tatsächlich getan, so Altman.
Eine AGI, um sie alle zu ...
Die Dramatik in der KI-Branche vergleicht Altman mit einer "Ring der Macht"-Dynamik: Wer AGI einmal gesehen habe, könne nicht mehr davon loslassen, die Kontrolle darüber zu erhalten.
Die einzige Lösung, die mir einfällt, ist, die Technologie breit mit den Menschen zu teilen, und dass niemand den Ring besitzt.
Sam Altman
OpenAI wolle eine Stimme und ein Beteiligter sein, aber nicht alle Macht haben. Man wolle sich an den demokratischen Prozess halten, auch wenn dieses Vorgehen "unordentlich und langsamer sei, als uns lieb ist". Altman ruft die Branche auf, die Rhetorik zu entschärfen, und "weniger Explosionen daheim zu haben". Zuletzt eskalierte die Branche am Streit zwischen OpenAI, Anthropic und dem Pentagon über die Verwendung von KI im militärischen Kontext.
Der von Altman als "hetzerisch" beschriebene Artikel sammelte über Jahre und in Gesprächen mit mehr als 100 Personen Informationen über Altman und die Geschehnisse bei OpenAI. Viele der Aussagen, die man als kritisch einstufen könnte, kamen von Altman im direkten Austausch mit Journalisten, etwa, dass seine "Vibes" nicht zu traditionellem KI-Sicherheitsdenken passen würden. Bei X nahm Altman die Bezeichnung hetzerisch schon wieder zurück: Es sei eine "schlechte Wortwahl" nach einem anstrengenden Tag gewesen. Bislang gibt es keine Information über den Täter oder die Täterin und die mögliche Motivation.
KI-News ohne Hype – von Menschen kuratiert
Mit dem THE‑DECODER‑Abo liest du werbefrei und wirst Teil unserer Community: Diskutiere im Kommentarsystem, erhalte unseren wöchentlichen KI‑Newsletter, 6× im Jahr den "KI Radar"‑Frontier‑Newsletter mit den neuesten Entwicklungen aus der Spitze der KI‑Forschung, bis zu 25 % Rabatt auf KI Pro‑Events und Zugriff auf das komplette Archiv der letzten zehn Jahre.
Jetzt abonnieren