OpenAI-Chefs feiern KI-Impfstoff gegen Hunde-Krebs, Forscher kritisiert Story als unbewiesene PR
Update vom 29. März 2026:
OpenAI-CEO Sam Altman und Produktchef Kevin Weil nutzten die Geschichte für ihre Zwecke. Weil schrieb, Paul habe mit ChatGPT und AlphaFold ein personalisiertes mRNA-Impfprotokoll für den Krebs seines Hundes erstellt – ein "Blick in die Zukunft der personalisierten Medizin".
Altman nannte es das "coolste Meeting der Woche" und zitierte Conyngham damit, dass die Chatbots ihm "die Macht eines Forschungsinstituts" verliehen hätten. Beide OpenAI-Führungskräfte ignorieren, dass es keinen Beweis für die Wirksamkeit des entwickelten Impfstoffs gibt oder die ganze Aktion überhaupt Sinn ergeben hat.

Egan Peltan (siehe Bericht unten) widerspricht erneut scharf: Es gebe null Beweise, dass die KI-gestützte Arbeit etwas für Rosies Krebs bewirkt habe. Conyngham habe gleichzeitig einen sogenannten PD-1-Hemmer verabreicht, ein zugelassenes Immuntherapie-Medikament, das Krebszellen für das Immunsystem wieder sichtbar macht und als eine der wirksamsten Krebsimmuntherapien überhaupt gilt.
Die wahrscheinlichste Erklärung für Rosies Besserung sei eine Reaktion auf dieses konventionelle Mittel, nicht auf den mRNA-Impfstoff. Laut Conyngham hat ihn allerdings ebenfalls ein Chatbot auf PD-1 aufmerksam gemacht.

Peltan kritisiert die Geschichte als "Fundraising-Material" und "Storytelling für AGI-Gläubige": Bevor Conyngham seine individuelle Impfstoff-Geschichte an Verbraucher verkaufe, solle er Belege liefern, dass sie gewirkt habe. Conyngham hat seine Geschichte hier noch einmal im Detail aufgeschrieben und auch sein Vorgehen als Open-Source-Methode bereitgestellt.
Ursprünglicher Artikel vom 15. März 2026:
Hundebesitzer entwirft mit ChatGPT und Co. einen Impfstoff gegen den Krebs seines Hundes
In sozialen Medien geht die Geschichte eines australischen KI-Beraters viral, der mit ChatGPT, AlphaFold und Grok einen möglichen Behandlungsansatz für den unheilbaren Krebs seiner Hündin Rosie identifiziert hat.
Paul Conyngham, KI-Berater aus Australien, nutzte KI-Tools wie ChatGPT sowie Googles AlphaFold und Genomsequenzierung, um gemeinsam mit Forschern eine mögliche Behandlung für seine todkranke Hündin Rosie zu finden. Rosie leidet an unheilbarem Mastzellenkrebs.
Conyngham ließ, auf Empfehlung von ChatGPT, ihr gesundes Genom und das Tumorgenom am Ramaciotti Centre for Genomics der UNSW Sydney sequenzieren. Dann identifizierte er mithilfe von KI-Systemen ein Protein als Angriffspunkt sowie eine in den USA bereits zugelassene Substanz, die helfen könnte. Allein für die Sequenzierung zahlte Conyngham bereits 3.000 US-Dollar.
Das finale Impfstoff-Design wurde laut Conyngham mit dem KI-Modell Grok erstellt. Seit der Verabreichung des Mittels ging der Krebs laut Conyngham um circa 75 Prozent zurück. Der Hund ist allerdings nicht geheilt.

Der Beitrag wurde unter anderem von OpenAI-Präsident Greg Brockman und Deepmind-CEO Demis Hassabis geteilt. Conyngham startete das Projekt bereits im November 2024.
Patrick Heizer, ein Forscher im Bereich Zell- und Gentherapie, warnt jedoch vor überzogenen Erwartungen: Es sei einfach, Tumore im Labor zu bekämpfen. Der schwierige Teil sei der Nachweis, dass eine Therapie sowohl sicher als auch wirksam ist – in kontrollierten Studien am Menschen.
Ein zentrales Problem sei die Zielgenauigkeit: Proteine im Körper ähneln sich oft stark, sodass eine Therapie, die ein Tumorprotein angreift, auch ähnliche Proteine in gesunden Organen treffen könne, etwa im Herzen. Zudem seien Ergebnisse bei Tieren nicht auf Menschen übertragbar, da Mäuse und Hunde andere Proteine haben.
Heizer betont auch, dass Pharmakonzerne und Regulierungsbehörden vor der schwierigen Aufgabe stünden, Langzeitsicherheit über fünf oder mehr Jahre zu gewährleisten, was bei kurzlebigen Versuchstieren nicht messbar sei.
Unabhängig davon, ob der Wirkstoff tatsächlich geholfen hat und in welchem Umfang und zu welchen Kosten – der eigentliche Kern der Geschichte scheint bemerkenswert: KI hat es einem Laien ermöglicht, überhaupt bis an diesen Punkt zu gelangen.
Update: Egan Peltan, Mitgründer eines Biotech-Startups und promovierter Chemie-Biologe der Stanford University, äußert sich skeptisch. Er hält die Rolle von KI in dieser Geschichte für übertrieben: Alles hätte auch ohne ChatGPT gemacht werden können. Zudem sei der Hund parallel mit konventioneller Immuntherapie behandelt worden, sodass unklar sei, ob der mRNA-Impfstoff überhaupt eine zusätzliche Wirkung hatte.
Es gebe keinen Nachweis einer spezifischen Wirkung des Impfstoffs. Peltan schätzt die tatsächlichen Kosten der Behandlung auf 20.000 bis 50.000 US-Dollar. Individuelle mRNA-Krebsimpfstoffe seien seit Jahren in der Entwicklung, bisher ohne klaren Erfolg in großen Studien. Man benötige Ergebnisse aus Phase-3-Studien, keine Einzelfälle, bevor man über verweigerte Behandlungen durch Regulierung diskutieren könne.
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