OpenAI fährt Nebenprojekte zurück und will sich auf Coding und Geschäftskunden konzentrieren
Kurz & Knapp
- OpenAI plant einen strategischen Kurswechsel: Statt wie bisher auf viele Produktfronten gleichzeitig zu setzen, will das Unternehmen seine Ressourcen auf Coding-Werkzeuge und Geschäftskunden konzentrieren.
- CEO of Applications Fidji Simo stellte die Pläne in einem unternehmensweiten Meeting vor, während Sam Altman und Forschungschef Mark Chen prüfen, welche Bereiche zurückgefahren werden sollen.
- Unmittelbarer Auslöser für die Neuausrichtung ist der Aufstieg von Anthropic, das sich mit seinen Produkten Claude Code und Cowork zum dominanten KI-Anbieter für Unternehmen entwickelt hat.
Die bisherige Strategie, möglichst viele Produkte gleichzeitig zu lancieren, hat OpenAI laut eigener Einschätzung verwundbar gemacht. Nun soll ein strategischer Schwenk das Unternehmen wieder auf Kurs bringen.
OpenAIs Führungsriege bereitet laut einem Bericht des Wall Street Journal einen Strategiewechsel vor: Statt wie bisher auf zahlreiche Produktfronten gleichzeitig zu setzen, will das Unternehmen seine Ressourcen künftig auf zwei Bereiche konzentrieren, nämlich Coding-Werkzeuge und Geschäftskunden.
Fidji Simo, OpenAIs CEO of Applications, stellte die Pläne in einem unternehmensweiten Meeting vor. Demnach prüfen CEO Sam Altman und Forschungschef Mark Chen derzeit aktiv, welche Bereiche zurückgefahren werden sollen. In den kommenden Wochen sollen die Mitarbeitenden über die konkreten Änderungen informiert werden.
"Wir dürfen diesen Moment nicht verpassen, weil wir uns von Nebenmissionen ablenken lassen", sagte Simo laut dem Journal zu den Mitarbeitenden. Man müsse Produktivität im Allgemeinen und insbesondere im Geschäftskundenbereich "wirklich hinbekommen".
Die "Do Everything"-Strategie hat ihren Preis
Im vergangenen Jahr hatte OpenAI viele neue Produkte angekündigt: den Videogenerator Sora, den Webbrowser Atlas, ein Hardware-Gerät in Zusammenarbeit mit Jony Ive sowie E-Commerce-Funktionen für ChatGPT. Altman verglich diesen Ansatz damals mit "Wetten auf eine Reihe von Start-ups" innerhalb von OpenAI.
Doch aktuelle und ehemalige Mitarbeitende schildern dem Journal zufolge ein anderes Bild: Die Vielzahl paralleler Projekte habe zu mangelndem Fokus geführt, die strategische Richtung sei zeitweise schwer nachvollziehbar gewesen.
Computing-Ressourcen, bei Frontier Labs die knappste aller Ressourcen, seien oft kurzfristig von einem Team zum anderen verschoben worden. Auch die Organisationsstruktur sei zunehmend unübersichtlich geworden. So war etwa das Sora-Team der Forschungsabteilung zugeordnet, obwohl es für den Launch eines der öffentlichkeitswirksamsten Produkte verantwortlich war.
Sora selbst ist ein Beispiel für das Problem: Die im September gestartete eigenständige App mit TikTok-ähnlicher Oberfläche erreichte kurzzeitig Platz eins im Apple App Store. Danach stagnierte die Nutzung. OpenAI plant nun, die Videogenerierung in die ChatGPT-Hauptapp zu integrieren. Auch OpenAIs ChatGPT "Agent", aka Browser Use, wird angeblich kaum genutzt und wurde seit Launch nicht nennenswert besser.
Anthropic setzt OpenAI mit Fokus-Strategie unter Druck
Der unmittelbare Auslöser für die Neuausrichtung ist laut WSJ der Aufstieg von Anthropic. Der Konkurrent hat sich laut dem Journal zu einem schnell wachsenden KI-Anbieter für Unternehmen entwickelt, vor allem dank des viralen Erfolgs seiner Produkte Claude Code und Cowork.
Anthropic hat dabei deutlich weniger Produktwetten platziert als OpenAI und sich konsequent auf den Enterprise- und Coding-Markt fokussiert. Audio-, Bild- und Videogenerierung hat das Unternehmen bislang bewusst vermieden.
Simo bezeichnete Anthropics Erfolg gegenüber den Mitarbeitenden als "wake-up call". Man handle "wie bei Code Red", relativierte aber zugleich: Für alles einen Krisenmodus auszurufen, ergebe wenig Sinn.
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