OpenAI führt im Enterprise-KI-Markt, doch Anthropic holt rasant auf
Kurz & Knapp
- Eine Umfrage des Risikokapitalgebers Andreessen Horowitz unter 100 CIOs großer Unternehmen zeigt: OpenAI führt mit 78 Prozent Nutzung in der Produktion, doch Anthropic holt auf.
- Bei den Anwendungsfällen unterscheiden sich die Stärken: OpenAI dominiert bei Chatbots, Wissensmanagement und Kundensupport, während Anthropic bei Softwareentwicklung und Datenanalyse führt.
- Die Ausgaben für KI-Modelle in Unternehmen wuchsen 2025 um 180 Prozent auf durchschnittlich 7 Millionen US-Dollar, mehr als doppelt so stark wie prognostiziert.
Eine neue Umfrage unter 100 CIOs großer Unternehmen zeigt, dass OpenAI zwar noch führt, Anthropic und Google jedoch deutlich Boden gutmachen. Microsoft bleibt der Gewinner bei KI-Anwendungen.
Entgegen früherer Vorhersagen entwickelt sich im Enterprise-KI-Markt kein fragmentierter Markt mit vielen gleichwertigen Anbietern. Stattdessen entsteht ein Oligopol weniger dominanter Anbieter.
Das zeigt die dritte jährliche CIO-Umfrage des Risikokapitalgebers Andreessen Horowitz (a16z), die 100 Führungskräfte von Unternehmen der Global 2000 befragte. Die Erhebung konzentriert sich auf Großunternehmen mit mindestens 500 Millionen US-Dollar Jahresumsatz. A16z ist selbst in OpenAI investiert.
78 Prozent der befragten Unternehmen nutzen OpenAI-Modelle in der Produktion. Anthropic verzeichnet den größten Zuwachs: Seit Mai 2025 stieg die Enterprise-Penetration um 25 Prozent auf 44 Prozent. Beim Anteil an den Gesamtausgaben für KI-Modelle liegt OpenAI noch bei etwa 56 Prozent, dieser Anteil schrumpft jedoch zugunsten von Anthropic und Google. Für 2026 erwarten die CIOs: OpenAI bei 53 Prozent, Anthropic und Google jeweils bei 18 Prozent.

Die große Open-Source-Revolution kommt bisher nicht in der Industrie an, im Gegenteil: Mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen bevorzugt proprietäre Modelle, Tendenz steigend. Als Gründe nennen die CIOs die Geschwindigkeit der Modellverbesserungen, begrenzte interne KI-Fachkräfte und Datensicherheit. Das Vertrauen in Frontier Labs wie OpenAI und Anthropic sei in den vergangenen zwei Jahren deutlich gestiegen, heißt es in der Umfrage.

Anthropic punktet bei Softwareentwicklung, OpenAI bei Chatbots
Die Marktführerschaft variiert je nach Anwendungsfall. OpenAI dominiert bei frühen, horizontalen Anwendungen wie allgemeinen Chatbots, Enterprise Knowledge Management und Kundensupport. Anthropic hingegen führt bei Softwareentwicklung und Datenanalyse. Die befragten CIOs nennen die schnellen Fähigkeitssprünge seit der zweiten Jahreshälfte 2024 als Hauptgrund für die Adoption. Google Gemini zeigt sich in vielen Bereichen stark, fällt jedoch beim Coding deutlich ab.

Ein wesentlicher Treiber der Verschiebungen: Anthropics Gewinne basieren auf den fortschrittlichsten Modellen. 75 Prozent der Anthropic-Kunden haben Sonnet 4.5 oder Opus 4.5 in Produktion. Bei OpenAI nutzen nur 46 Prozent der Kunden die neuesten Modelle GPT 5.2 oder 5.2 Pro. Viele Unternehmen arbeiten weiterhin mit älteren Modellen, die "gut genug funktionieren".
81 Prozent der Unternehmen nutzen mittlerweile drei oder mehr Modellfamilien. Vor weniger als einem Jahr lag dieser Wert noch bei 68 Prozent.
Microsoft dominiert bei Enterprise-KI-Anwendungen
Microsoft 365 Copilot führt bei Enterprise-Chat mit mehr als 90 Prozent bezahlten Lizenzen unter den befragten Unternehmen. GitHub Copilot bleibt der Marktführer für Coding mit rund 74 Prozent. Salesforce Agentforce und ServiceNow AI Agents sowie Google Workspaces und Workday AI folgen mit deutlich geringeren Adoptionsraten, wenn auch größerem Wachstumspotenzial ("Evaluating").
65 Prozent der befragten Unternehmen bevorzugen Lösungen von etablierten Anbietern. Als Gründe nennen sie Vertrauen, bessere Integration mit bestehenden Systemen und einfachere Beschaffung. Dennoch sieht a16z Chancen für Startups: Unternehmen schätzen an KI-nativen Anbietern vor allem schnellere Innovation.
Ausgaben wachsen schneller als prognostiziert
Die durchschnittlichen Enterprise-Ausgaben für LLMs stiegen von etwa 2,5 Millionen US-Dollar im Jahr 2024 auf etwa 7 Millionen US-Dollar im Jahr 2025. Das entspricht einem Wachstum von 180 Prozent, während die Prognose bei 80 Prozent lag. Für 2026 erwarten die befragten Unternehmen einen weiteren Anstieg um 65 Prozent auf etwa 11,6 Millionen US-Dollar.

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