Software-Branche erlebt schlechtesten Jahresstart seit 2022 wegen KI-Ängsten
Die Veröffentlichung von Anthropics „Claude Cowork” scheint die Ängste vor KI-Disruption neu entfacht zu haben, was sich auch an der Börse niederschlägt.
Anthropic hat am 12. Januar Claude Cowork veröffentlicht, eine Art Office-Variante von Claude Code. Das Tool ist in die Claude-App integriert und kann beispielsweise aus Screenshots Tabellen erstellen, aus Notizen Berichte generieren und Daten auf dem Computer des Nutzers organisieren. Laut Anthropic wurde es größtenteils mit KI selbst entwickelt.
Angesichts der zunehmend begeisterten Nutzerberichte zu Claude Cowork und Claude Code auf Plattformen wie X oder LinkedIn sind in der letzten Woche heftige Reaktionen an den Märkten zu beobachten, berichtet Bloomberg.
Intuit, Eigentümer von TurboTax, verlor 16 Prozent in einer Woche, der schlechteste Wochenverlust seit 2022. Adobe und Salesforce büssten jeweils mehr als 11 Prozent ein. Ein von Morgan Stanley verfolgter Index für Software-as-a-Service-Aktien ist seit Jahresbeginn um 15 Prozent gefallen, nach bereits 11 Prozent Minus im Jahr 2025.
Investoren sehen "keine Gründe" für Software-Aktien
"Die Anthropic-Nachrichten unterstreichen, wie schwierig es ist, einzuschätzen, wie das Wachstum künftig aussehen kann", sagte Bryan Wong, Portfoliomanager bei Osterweis Capital Management, gegenüber Bloomberg. Das Tempo des Wandels sei "so schnell wie nie zuvor" und die Unsicherheit entsprechend hoch.
Jordan Klein, Tech-Spezialist bei Mizuho Securities, schrieb in einer Kundennotiz, das Tool repräsentiere genau die Art von Fähigkeiten, die Investoren befürchtet hätten. Es verstärke bearishe Positionen, die zunehmend verfestigt erscheinen. "Viele Investoren sehen keine Gründe, Software zu besitzen, egal wie günstig oder abgestraft die Aktien sind", so Klein.
Obwohl das Tool noch unbewiesen sei, verkörpere es die existenzielle Bedrohung für traditionelle Software-Geschäftsmodelle. Wong erklärte: "Es ist schwer zu wissen, welches Multiple sie haben sollten, wenn sie gegen KI-Agenten antreten, die 24/7 laufen und Aufgaben erledigen können, wobei grosse Projekte an einem Tag fertig werden."
Chipmaker profitieren, während Software-Firmen kämpfen
Während der Nasdaq 100 Index nahe Rekordhochs notiert, handeln Unternehmen wie ServiceNow auf mehrjährigen Tiefständen. Die eigenen KI-Angebote der Software-Hersteller zeigen bisher wenig Wirkung: Salesforce bewirbt zwar sein Agentforce-Produkt, doch der Umsatzeffekt bleibt gering. Adobe hat im letzten Quartalsbericht keine Updates zu KI-bezogenen Kennzahlen geliefert.
Im Gegensatz dazu haben Chiphersteller wie Nvidia klare Umsatzaussichten, da Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta aggressive Investitionen in KI-Infrastruktur zugesagt haben. "Es gibt viel weniger Sicherheit darüber, wie KI das Software-Ökosystem verändern wird", sagte Jonathan Cofsky, Portfoliomanager bei Janus Henderson.
Die Bewertungen für Software-Aktien sind auf Rekordtiefs gefallen: Ein von Morgan Stanley zusammengestellter Korb aus Software-as-a-Service-Aktien wird mit dem 18-fachen der erwarteten Gewinne gehandelt, der niedrigste Wert seit Aufzeichnungsbeginn. Der Durchschnitt der letzten Dekade lag bei über 55. Einige Analysten wie Barclays und Goldman Sachs sehen dennoch Chancen für eine Erholung, da die Bewertungen attraktiv seien und KI-Adoption langfristig als Rückenwind wirken könnte.
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