Joëlle Pineau, eine der zentralen Figuren der KI-Forschung bei Meta, verlässt das Unternehmen nach fast acht Jahren. Ihr Abschied fällt in eine Phase politischer Polarisierung, geopolitischer Spannungen – und eines Strategiewechsels bei Meta selbst.
Die langjährige Leiterin von Meta AI beendet ihre Tätigkeit zum 30. Mai. Das gab sie in einem öffentlichen Facebook-Beitrag bekannt. Pineau war seit 2017 bei Meta tätig und spielte eine maßgebliche Rolle beim Aufbau der Forschungseinheit FAIR (Facebook AI Research). Unter ihrer Führung entstanden zentrale Technologien wie PyTorch, FAISS, Roberta, Dino, Llama, SAM, Codegen und Audiobox – heute durch Meta-Teams und externe Forschung weltweit im Einsatz.
Pineau beschreibt ihre Zeit bei Meta als die "berufliche Erfahrung ihres Lebens". Konkrete Pläne für die Zeit nach Meta nennt sie nicht, kündigt jedoch eine Phase der Beobachtung und Reflexion an, bevor sie ein neues Projekt aufnimmt. Sie wolle Meta künftig "von der Seitenlinie aus" unterstützen.
Abgang könnte politischen Hintergrund haben
Pineau spricht in ihrer Abschiedsbotschaft von einer "tiefgreifenden Veränderung" der Welt. Die Formulierung wirkt nicht zufällig: Gerade in jüngster Zeit häufen sich die geopolitischen Spannungen, von denen die Wissenschaft in besonderer Weise betroffen ist. Rund 1.900 führende Wissenschaftler warnen derzeit in einem offenen Brief vor einem "systematischen Angriff" auf die Wissenschaft – ein Vorgehen, das laut dem Schreiben die öffentliche Gesundheit und Sicherheit gefährde und die Forschung um Jahrzehnte zurückwerfen könne. Der Brief wurde von Metas KI-Chefwissenschaftler Yann LeCun unterzeichnet, Pineau steht allerdings nicht darauf.
Pineaus Abschied fällt auch mit einem Strategiewechsel bei Meta zusammen. Firmengründer Mark Zuckerberg hatte sich Anfang des Jahres zunehmend konservativ positioniert und öffentlich auf eine Annäherung an Donald Trump gesetzt. Auch andere große Technologiekonzerne verfolgen derzeit eine vorsichtige Linie gegenüber der Politik, was sich unter anderem in der öffentlichen Zurückhaltung bei kontroversen Themen zeigt.
Pineau, die aus Montreal stammt, verlässt das US-Unternehmen Meta zudem in einem Moment, in dem auch Kanada verstärkt in den Fokus außenpolitischer Spannungen rückt. Die Rhetorik aus Teilen der US-Politik gegenüber dem nördlichen Nachbarn ist zuletzt schärfer geworden: Die Vereinigten Staaten drohen mit einem Handelskrieg und – teils offen – mit militärischen Maßnahmen. Pineaus Wortwahl legt nahe, dass sie den zunehmenden politischen Druck auf Wissenschaft und Technologie bei ihrer Entscheidung nicht ausblendet.
"Heute, da sich die Welt in einem tiefgreifenden Wandel befindet, der Wettlauf um die KI an Fahrt gewinnt und Meta sich auf sein nächstes Kapitel vorbereitet, ist es an der Zeit, Platz für andere zu machen, die diese Arbeit fortsetzen wollen", schreibt Pineau.