Wegen Hollywood-Beschwerden: Bytedance stoppt weltweiten Start von KI-Videogenerator Seedance 2.0
Bytedance hat den weltweiten Start seines neuen KI-Videogenerierungsmodells Seedance 2.0 wegen Urheberrechtsstreitigkeiten mit Hollywood vorerst auf Eis gelegt.
Schon zuvor gab es Gerüchte, dass Bytedance den Start verschieben würde. Jetzt ist der Release wohl ganz in der Schwebe, ein neuer Starttermin ist unklar, berichtet The Information.
Ursprünglich wollte Bytedance das Modell Mitte März weltweit verfügbar machen: per API über die hauseigene Cloud-Plattform BytePlus für Startups und Firmenkunden sowie als neue App für Endnutzer außerhalb Chinas. Das Rechtsteam arbeitet nun daran, juristische Probleme zu lösen, während die Ingenieure Schutzmaßnahmen gegen weitere Urheberrechtsverletzungen einbauen.
In China führten neue Filter allerdings bereits zu Problemen: Nutzer berichten, dass jetzt auch harmlose Anfragen vermehrt abgelehnt werden. Firmenkunden müssen laut The Information mindestens 10 Millionen Yuan (1,45 Millionen Dollar) zusagen, um überhaupt in Verhandlungen über Nutzungsverträge einsteigen zu können.
Massive Copyright-Verstöße
Grund für die Verschiebung sind massive Urheberrechtsbeschwerden aus Hollywood. Seedance 2.0 wurde im Februar in China veröffentlicht und erzeugt sehr realistische Videos, auch von urheberrechtlich geschütztem Material. In sozialen Medien kursierten entsprechende Videos und wurden millionenfach angesehen, etwa ein Faustkampf zwischen Brad Pitt und Tom Cruise oder ein Lichtschwert-Duell zwischen Darth Vader und Deadpool. Im folgenden Beispiel eine generierte "Kurzversion" von Herr der Ringe:
Disney warf Bytedance in einem Unterlassungsschreiben vor, gezielt eine "Piratenbibliothek" geschützter Figuren zu nutzen. Auch Netflix, Warner Bros., Paramount Skydance und Sony schickten eigene Schreiben.
Der Branchenverband Motion Picture Association sprach von "systemischer Rechtsverletzung": Urheberrechtsverstöße seien kein Fehler, sondern ein Feature des Modells und eine bewusste Entscheidung seitens Bytedance. Die Schauspielgewerkschaft SAG-AFTRA forderte ebenfalls ein Ende der Verstöße, Japan leitete eine Untersuchung wegen möglicher Verletzungen bei Anime-Figuren ein.
Bytedance erklärte gegenüber der BBC, man respektiere geistiges Eigentum und arbeite an stärkeren Schutzmaßnahmen. Das ist mittlerweile gängige Praxis: Auch OpenAI adressierte Urheberrechtsverletzungen immer wieder erst nach der Veröffentlichung seiner Modelle.
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