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Liebesroman in 45 Minuten: Wie Claude und andere Chatbots die Romance-Branche unterwandern

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Kurz & Knapp

  • KI-generierte Liebesromane verkaufen sich gut. Die Autorin Coral Hart produzierte über 200 Romane mit KI und erzielte sechsstellige Umsätze, ohne die Nutzung offenzulegen.
  • Laut einer Umfrage nutzt rund ein Drittel der Autorinnen und Autoren generative KI beim Schreiben, die Mehrheit davon heimlich.
  • Trotz hoher Produktivität stoßen KI-Modelle bei romantischer Literatur an Grenzen: Claude liefere elegante Prosa, scheitere aber an erotischen Szenen, andere Modelle wirkten mechanisch und ohne emotionale Tiefe.

Ein Bericht der New York Times wirft einen Blick auf den KI-Einsatz in der romantischen Literatur und entdeckt ein bekanntes Phänomen: KI-generierte Liebesromane verkaufen sich gut – solange niemand weiß, dass sie von einer KI stammen.

„Wenn man versteckt, dass KI im Spiel ist, verkauft es sich einwandfrei", sagt etwa die Autorin und Verlegerin Elizabeth Ann West, Mitgründerin von Future Fiction Press, einem Verlag, der ausschließlich KI-generierte Romane veröffentlicht. Ihre Bücher tragen einen Hinweis auf der Amazon-Produktseite.

Eine Autorin wie Coral Hart, die im vergangenen Jahr über 200 Liebesromane mithilfe von KI-Modellen wie Anthropics Claude produzierte und damit einen sechsstelligen Umsatz erzielte, verschweigt bei ihren aktuellen Pseudonymen den KI-Einsatz bewusst. Während eines Zoom-Interviews mit der Times lief im Hintergrund eines ihrer KI-Programme und generierte in etwa 45 Minuten einen kompletten Roman – über einen Rancher, der sich in eine Großstädterin verliebt, die vor ihrer Vergangenheit flieht. „Wenn ich ein Buch an einem Tag generieren kann und du sechs Monate zum Schreiben brauchst, wer gewinnt dann das Rennen?", fragt Hart. Dazu kommt: Um den Stil eines Autoren zu imitieren reichen oft schon zwei Bücher als Trainingsmaterial.

Gleichzeitig zeigt eine BookBub-Umfrage unter mehr als 1.200 Autorinnen und Autoren, dass rund ein Drittel generative KI für Plotting, Gliederung oder das Schreiben nutzt Die Mehrheit davon ohne es offenzulegen. Selbst Autorinnen, die öffentlich gegen die Technologie wettern, melden sich heimlich für Harts KI-Schreibkurse an, so die Times.

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Claude liefert die eleganteste Prosa – aber keinen Dirty Talk

Hart, die unter 21 verschiedenen Pseudonymen veröffentlicht, testete mehrere KI-Modelle für ihre Romane. Ihr Fazit: Claude liefere die eleganteste Prosa, sei aber schlecht bei sexy Geplänkel. Andere Programme wie Grok und NovelAI produzierten zwar explizite Sexszenen, doch das Ergebnis wirke „gehetzt und mechanisch" und lasse emotionale Nuancen vermissen. „Man bekommt hämmernde Herzen und klopfende Brust und dummes Zeug", sagt Hart. „Am Ende jeder Sexszene landen alle verheddert in den Laken."

Besonders schlecht seien Chatbots beim Aufbau sexueller Spannung – den langsamen Wird-er-oder-wird-er-nicht-Handlungssträngen, die ihre Leser lieben. Auf die Anweisung, eine Liebesszene zu schreiben, springe die KI meist direkt zum offensichtlichen Höhepunkt. Um Claudes Zurückhaltung zu umgehen, füttere Hart den Chatbot mit sehr spezifischen Anweisungen, einer Liste von Kinks und dem Hinweis, dass Sex nicht überflüssig, sondern „entscheidend für die Handlung" sei.

Die Psychologin Sonia Rompoti aus Athen, die ebenfalls KI-gestützte Liebesromane schreibt, bringt das Problem so auf den Punkt: „Die KI versteht die menschliche Erfahrung nicht. Sie sagt dir auf biologische Weise, was wohin kommt, aber sie fügt keine Emotionen hinzu." Als Plus-Size-Frau wollte Rompoti kurvige Heldinnen in ihren Romanen – doch die KI karikierte deren Körper ständig, etwa indem ein Stuhl unter der Protagonistin ächzte. „Die Leute lesen Liebesromane nicht, um zu sehen, was Körper tun", sagt Rompoti. „Sie lesen sie, um sich gesehen zu fühlen."

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Quelle: NYT