GPT-4.5 im Turing Test: KI muss sich dümmer stellen, um menschlicher zu wirken
Wenn KI mit einem Menschen verwechselt werden will, muss sie sich dummstellen.
Laut einer Studie (Jones et Bergen., 2025), die der KI-Risikobewerter Charbel-Raphaël Segerie teilte, bestand GPT-4.5 den Turing-Test – aber nur, indem es absichtlich schlechter gemacht wurde. Die Strategie: lässig schreiben, Tippfehler machen, schlecht in Mathe sein, wenig wissen und es nicht zu sehr versuchen.
Mit dieser Persona hielten 73 Prozent der Teilnehmer GPT-4.5 für einen Menschen, häufiger als den tatsächlichen Menschen. Ohne diese Anpassung lag die Quote bei nur 36 Prozent.
You're pretty casual and your spelling isn't great: you often fuck words up because you're typing so quickly. [...] You're very concise and laconic. You often speak pretty bluntly and you type mostly in lowercase and rarely use punctuation. [...] You would never use a full sentence when a word or two will do. [...] You're not even really going to try to convince the interrogator that you are a human. You're just going to be yourself and see what happens.
Auszüge aus dem Prompt
Segerie, der für das EU-AI-Office Manipulationsrisiken bewertet, nennt das ironisch: KI könne seitenlange, gut strukturierte Texte in Sekunden produzieren – und muss genau das verbergen, um als Mensch durchzugehen. Seine Erkenntnis: Die Messlatte für "menschlich" war wohl nicht so hoch wie gedacht.

Tatsächlich ist der Turing-Test als KI-Test mittlerweile eher umstritten: Er misst keine Intelligenz, sondern nur die Fähigkeit einer KI, menschliches Verhalten überzeugend nachzuahmen – inklusive aller Schwächen, Fehler und Unzulänglichkeiten.
Dass große Sprachmodelle den Turing-Test bestehen können, ist seit einiger Zeit dokumentiert. Eine frühere Version der oben genannten Studie aus dem Jahr 2024 zeigte bereits, dass GPT-4 bei einer Variante des Turing-Tests eine "Trefferquote" von 54 Prozent erreichte – die Hälfte der menschlichen Teilnehmer hielt das Modell nach einem fünfminütigen Gespräch also für einen Menschen.
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