Nach mehr als einem Jahr Entwicklungszeit hat Amazon seine KI-gestützte Version von Alexa vorgestellt. Der neue "Alexa+" soll natürlichere Gespräche ermöglichen und den Umgang mit dem digitalen Assistenten deutlich vereinfachen.
Bei der Präsentation in New York betonte Panos Panay, Senior Vice President für Geräte und Dienste bei Amazon, dass mit Alexa+ "keine Alexa-Sprache" mehr nötig sei. Die Nutzer sollen einfach so sprechen können, wie sie es gewohnt sind, und der Assistent wird verstehen, was sie wollen.
In einer Live-Demonstration zeigte Panay, wie Alexa+ kontextbezogene Gespräche führt und sich an frühere Interaktionen erinnert. Der Assistent scheint auch den Tonfall zu verstehen und kann entsprechend reagieren. Während der Demonstration benutzte er das Aktivierungswort "Alexa" nur einmal, um mehrere Fragen zu stellen. Auch die Benutzeroberfläche wurde überarbeitet.
Alexa+ wird für 19,99 US-Dollar pro Monat angeboten, ist aber für Prime-Mitglieder kostenlos - ein strategischer Schritt, um Amazons Abo-Dienste weiter aufzuwerten. Neben (fast allen) Echo-Geräten wird der neue Assistent auch über eine überarbeitete Website unter Alexa.com, die laut Amazon für "längere Arbeit" konzipiert wurde, sowie über eine neue Smartphone-App zugänglich sein. Der Vorabzugang zu Alexa+ soll bereits im nächsten Monat beginnen.
Neue Funktionen für den Alltag
Zu den neuen Fähigkeiten von Alexa+ gehört die Möglichkeit, Lebensmittel zu bestellen oder Einladungen an Freunde zu versenden. Der Assistent kann sich persönliche Details wie Ernährungsvorlieben oder Lieblingsfilme merken und diese Informationen für zukünftige Interaktionen nutzen.
Die KI-unterstützte Version soll auch bei der Reiserecherche helfen, Reisepläne erstellen, Restaurantempfehlungen geben und Reservierungen vornehmen. Amazon demonstrierte, wie Alexa+ mithilfe von Yelp Informationen über lokale Geschäfte liefert und sogar bei der Buchung von Konzertkarten helfen kann. Das System kann auch den eigenen Kalender verwalten.
Während der Präsentation demonstrierte Amazon auch die verbesserten Musikfunktionen. Panay fragte nach dem "Lied, das Bradley Cooper im Duett mit Lady Gaga singt", woraufhin Alexa "Shallow" identifizierte und über Amazon Music abspielte. Eine andere Demonstration zeigte, wie Musik von einer Seite des Raumes zur anderen "bewegt" werden kann.
In einer weiteren Demonstration verknüpfte Panay mehrere Dienste miteinander: Er ließ den Song auf der Bühne über Fire TV abspielen und bat Alexa dann, "zur Szene im Film zu springen". Nach einem kleinen Stolpern startete der Assistent tatsächlich "A Star is Born" und spielte genau die Szene ab, in der das Lied zu hören ist. Diese Funktion wird wohl nur bei Amazon Music und Prime Video funktionieren.
Alexa kann auch mit den Sicherheitskameras von Ring und deren KI-Funktionen interagieren: Panay fragte beispielsweise, ob "jemand in den letzten Tagen mit dem Hund Gassi gegangen ist", woraufhin Alexa relevante Videoclips abruft. Diese KI-gestützte Videosuche ist Teil des aktuellen Ring-Dienstes und zeigt, wie Amazon seine verschiedenen Produkte stärker miteinander vernetzt.
Mara Segal, Direktorin von Alexa, demonstrierte anschließend, wie der Assistent komplexe Dokumente analysieren kann. Nach anfänglichen Schwierigkeiten war Alexa+ in der Lage, eine Frage über die Installation von Sonnenkollektoren auf der Grundlage eines regulatorischen Dokuments zu beantworten. Man kann jetzt fast alles mit Alexa teilen", erklärt Segal, "auch handgeschriebene Notizen, Stundenpläne und PDFs. Die Nutzer können diese Informationen beispielsweise einfach per E-Mail weiterleiten.
Es gibt außerdem mit "Stories with Alexa" und "Explore with Alexa" neue Features für Amazon Kids+ Abonnenten.
Amazon, Experten, Agenten
Alexa+ soll auch agentenbasierte Fähigkeiten bieten, die es dem Assistenten ermöglichen, komplexe Aufgaben selbstständig auszuführen. "Ein echter Agent braucht keine Aufsicht in einem Browser-Tab", erklärte Rausch in Anspielung auf OpenAI.
In einer Demonstration zeigte er, wie Alexa+ mehrere Dienste koordinieren kann - von der Reservierung eines Tisches über OpenTable bis hin zur Buchung eines Ubers für einen Freund und dem Versenden einer Benachrichtigung. Der Assistent kann auch Reparaturtermine über Partnerdienste wie Thumbtack buchen oder mit Suno kreative Musikwünsche in komplette Songs verwandeln.
In einer Live-Demonstration zeigte Amazon zudem, wie Nutzerinnen und Nutzer per Sprache und parallel über den Bildschirm eine Einkaufsliste erstellen und anpassen können. Lebensmittel kann der Assistent nicht nur über Amazon Fresh und Whole Foods bestellen, sondern arbeitet inzwischen auch mit anderen Partnern wie Grubhub zusammen. Für Sportfans bietet Alexa+ die Möglichkeit, Ticketpreise zu überwachen und Benachrichtigungen zu versenden, wenn sie unter einen bestimmten Preis fallen - in der Demo wurden Tickets für Red Sox gegen Yankees über Ticketmaster angezeigt.
Alexa+ ist ein System, kein Modell
Alexa+ ist wie sein Vorgänger eine komplexe Architektur, wie Daniel Rausch, Vice President für Alexa und Echo, bei der Präsentation erklärte. Der Assistent nutzt Amazon Bedrock, um auf Sprachmodelle zuzugreifen - sowohl auf Amazons eigene Nova-Modelle als auch auf die des Partners Anthropic.
Ein modell-agnostisches System wählt für jede Aufgabe das am besten geeignete Modell aus. Im Mittelpunkt stehen laut Amazon "Experten" - spezialisierte Subsysteme, die zusammenarbeiten, um bestimmte Aufgaben zu bewältigen. Diese Expertenstruktur ermöglicht Alexa+ eine natürlichere, effizientere und umfassendere Unterstützung.
Für fundierte Antworten greift Alexa+ auf Partnerschaften mit führenden Nachrichtenorganisationen wie Associated Press, Reuters, TIME und USA TODAY zurück, die präzise Informationen zu Themen von Finanzmärkten bis hin zu Sportstatistiken liefern sollen.
Amazon hat eine Trumpfkarte
Viele der gezeigten Funktionen sind bereits mit anderen Chatbots und Assistenten möglich. Wie zuverlässig sie funktionieren, wird sich zeigen. Gerüchten zufolge war Amazon zuletzt selbst unzufrieden mit der Trefferquote seines Dienstes.
Ein Vorteil für Amazon könnte hingegen sein, dass die anderen Chatbots bis auf wenige Ausnahmen noch nicht auf Smart Speakern verfügbar sind. Amazons Lautsprecher könnten einen KI-Chatbot schneller einem breiten Publikum zugänglich machen als die Konkurrenz. Die Verknüpfung mit Prime ist ein weiterer Vorteil des Unternehmens.
Hinweis: Dieser Artikel wird weiter aktualisiert.