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Die beiden Tech-Giganten Microsoft und Alphabet haben zeitgleich ihre Quartalsergebnisse vorgelegt. Was sagen sie über die Entwicklung bei KI aus?

Der Umsatz mit Google Search "und anderen Produkten" stieg im vergangenen Quartal von 39,6 Milliarden Dollar auf 40,4 Milliarden Dollar, was einem Wachstum von rund 1,87 Prozent entspricht. Im Vergleichsquartal 2022 lag das Wachstum noch bei 24,28 Prozent, im Vorjahr 2021 bei 30,11 Prozent.

Allerdings gab es hier wie in der gesamten Digitalbranche Sondereffekte durch die Corona-Krise, die sich nun teilweise umkehren. Zuletzt war das Suchgeschäft von Google in Q4 2022 mit -1,6 Prozent sogar leicht rückläufig. Aus den Zahlen kann nicht abgeleitet werden, dass das Umsatzwachstum der Google-Suche ausgereizt, oder ChatGPT mit Bing eine akute Bedrohung ist. Im Gegenteil: Die Google Suche wächst wieder.

Insgesamt konnte Google die Erwartungen der Analysten schlagen, der Aktienkurs reagierte nach der Bekanntgabe der Zahlen leicht positiv. Es scheint also, als käme Google recht gut durch die aktuelle Marktphase. Dennoch ist Google-CEO Sundar Pichai auf der Suche nach dem nächsten Wachstumshorizont - und der könnte neben dem Cloud-Geschäft auch KI sein.

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Die KI-Transformation auf Augenhöhe mit der Mobile-Revolution

Im Gespräch mit Journalist:innen und Investor:innen bezeichnet Google-CEO Sundar Pichai KI als Chance, vergleichbar mit dem Wechsel vom Desktop-PC zu Mobilgeräten vor mehr als zehn Jahren. Google habe zehn Jahre lang in KI investiert und sei daher hervorragend aufgestellt.

Pichai verwies auf den Rollout von Bard mit den neuesten Updates für Codegenerierung, die PaLM API, die Integration von generativer KI in Workspace, KI-spezifische Trainingsangebote in der Google Cloud und die Zusammenführung von Google AI mit Deepmind zu Google Deepmind.

Bard sei ein Zusatzprodukt zur Google-Suche, so Pichai, die Funktionen der großen Sprachmodelle sollen aber sukzessive nativ in die Suche integriert werden. KI könne in einer "Kategorie von Anfragen, auf die es vielleicht keine richtige Antwort gibt und die kreativer sind, besser helfen", so Pichai. Aber auch in bestehenden Suchkategorien könnten große Sprachmodelle den Nutzern "viel Arbeit abnehmen" und sie "besser führen". Die Entwicklung stehe erst am Anfang, viele Innovationen stünden noch bevor.

Einer Frage nach den höheren Kosten einer Suche mit Sprachmodellen wich Pichai aus: Google habe schon immer auf die Kosten für Rechenleistung geachtet und sei sehr erfahren darin, bei Hardware, Software und Modellen effizienter zu werden. "Das ist nichts Neues", sagt Pichai.

Bing App wächst viermal schneller

Auch Microsoft hat seine Quartalszahlen vorgelegt und konnte die Erwartungen der Analysten hinsichtlich Umsatzwachstum und Gewinn übertreffen. Die Umsätze mit Such- und Nachrichtenwerbung, die für Microsoft nach wie vor ein kleiner Posten sind, stiegen um 10 bzw. 13 Prozent, wobei zwei Prozentpunkte auf die Übernahme der Werbeplattform Xandr zurückzuführen sind.

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Dies ist das niedrigste Wachstum in diesem Segment seit vier Quartalen. Im Vergleichsquartal Q3 '22 lag das Wachstum von Search und News noch bei 23 bzw. 25 Prozent. Der Nutzerzuwachs bei Bing durch den Hype um den Chatbot Sydney scheint also zumindest umsatzseitig noch kein signifikantes zusätzliches Suchwachstum auslösen zu können oder den Post-Corona-Rückgang inklusive des schwachen Werbegeschäfts zu kompensieren.

Laut Nadella hat Bing derzeit mehr als 100 Millionen täglich aktive Nutzerinnen und Nutzer, eine Zahl, die Microsoft bereits Anfang März kommuniziert hatte. Seit der Einführung von Bing und Edge habe sich die Zahl der täglichen Installationen der Bing-App vervierfacht. Eine Angabe, die ohne Bezugszahlen wenig aussagekräftig ist.

Laut Microsoft haben sowohl Edge als auch Bing in den USA Marktanteile gewonnen, konkrete Zahlen nennt das Unternehmen jedoch nicht. DALL-E, das seit etwa einem Monat in den Chatbot von Bing integriert ist, hat laut Microsoft bisher mehr als 200 Millionen Bilder generiert, was etwa 50 Millionen Anfragen entsprechen dürfte (eine Anfrage resultiert in vier Bildvorschlägen).

OpenAI berichtete im November letzten Jahres, dass in der nativen Weboberfläche von DALL-E drei Millionen Nutzerinnen und Nutzer täglich vier Millionen Bilder generieren, was etwa 120 Millionen Bildern oder 30 Millionen Anfragen pro Monat entspricht. Die Nutzung von DALL-E über den Bing Chatbot könnte also etwas höher sein als die native Nutzung bei OpenAI, sie scheint aber nicht weit darüber zu liegen.

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Zusammenfassung
  • ChatGPT könnte langfristig die Google-Suche bedrohen, aber diese Bedrohung ist bei Google noch nicht angekommen: Die Suche wächst wieder, wenn auch nur leicht.
  • Microsoft gewinnt nach eigenen Angaben in den USA Marktanteile im Browser- und Suchmarkt, nennt aber keine Zahlen.
  • DALL-E im Bing Chatbot hat ca. 200 Millionen Bilder generiert, was leicht über der nativen DALL-E Nutzung direkt bei OpenAI liegen dürfte.
Quellen
Online-Journalist Matthias ist Gründer und Herausgeber von THE DECODER. Er ist davon überzeugt, dass Künstliche Intelligenz die Beziehung zwischen Mensch und Computer grundlegend verändern wird.
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