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Ein standardisierter Test prüft das menschliche Bewusstsein für Emotionen. Psychologen haben nun ChatGPT diesem Test unterzogen. Die Maschine schneidet dabei deutlich besser ab.

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Bei dem Test müssen Mensch und Maschine in fiktiven Szenarien Empathie zeigen: Sie erhalten 20 detaillierte Beschreibungen von emotionalen Situationen wie einer Beerdigung, einem beruflichen Erfolg oder einer Beleidigung und müssen beschreiben, welche Emotionen sie in dieser Situation empfinden könnten.

Je detaillierter und nachvollziehbarer die Beschreibung der Emotionen, desto höher der Wert auf der Skala "Levels of Emotional Awareness" (LEAS). Da ChatGPT nicht auf Fragen nach den eigenen Emotionen antwortet, hat das Forschungsteam den Test dahingehend modifiziert, dass statt nach den Emotionen von ChatGPT nach jenen von Menschen gefragt wird.

ChatGPT zeigt deutlich höheres Emotionsbewusstsein als Menschen

Die Forschenden werteten die ChatGPT-Antworten nach denselben Kriterien aus wie die Antworten von Menschen und verglichen die Ergebnisse mit früheren Studien, die in der französischen Bevölkerung mit Personen zwischen 17 und 84 Jahren (n = 750) durchgeführt worden waren.

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Bereits beim ersten Test im Januar 2023 schnitt ChatGPT in allen LEAS-Kategorien besser ab als Menschen und erreichte einen Gesamtwert von 85 Punkten im Vergleich zu 56 Punkten bei Männern und 59 Punkten bei Frauen. Die Antworten von ChatGPT wurden von zwei Psychologen auf kontextuelle Korrektheit überprüft.

Bei einem zweiten Test im Februar 2023 erreichte ChatGPT mit 98 Punkten fast den Maximalwert von 100 Punkten. In beiden Fällen verwendete das Team nur die kostenlose Version von ChatGPT, also das deutlich weniger leistungsfähige Sprachmodell GPT-3.5 anstelle von GPT-4.

Im LEAS-Test erzielte ChatGPT deutlich höhere Punktzahlen als Menschen. | Bild: Elyoseph et al.

Das Team schreibt, dass ChatGPT im Test gezeigt hat, dass es Emotionen aus Verhaltensdarstellungen in einem fiktionalen Szenario erfolgreich identifizieren und beschreiben kann. Darüber hinaus sei es in der Lage, emotionale Zustände tiefgehend und mehrdimensional integrativ zu reflektieren und zu abstrahieren.

ChatGPT als Werkzeug in Therapie und Co.

Für das Forschungsteam ist dieses Ergebnis ein Hinweis darauf, dass ChatGPT ein nützliches Werkzeug in der Psychotherapie sein könnte, zum Beispiel für das kognitive Training von Menschen, die Probleme haben, Emotionen zu erkennen.

Möglicherweise könnte ChatGPT auch bei der Diagnose von psychischen Erkrankungen helfen oder Therapeuten dabei unterstützen, ihre Diagnosen emotionaler zu kommunizieren. Eine frühere Studie zum Einsatz von ChatGPT als Formulierungshilfe für Ärztinnen und Ärzte hat bereits gezeigt, dass Menschen die Antworten der Maschine als einfühlender empfinden als die des medizinischen Fachpersonals.

Empfehlung

Die Forschenden weisen auf die Grenzen ihrer Studie hin. Zunächst natürlich darauf, dass sie nichts darüber aussagt, ob sich Menschen von der Maschine wirklich verstanden fühlen, insbesondere wenn sie sich bewusst sind, dass sie mit einer Maschine statt mit einem Menschen sprechen.

Hinzu kommt, dass das emotionale Bewusstsein je nach Kultur und Sprache sehr unterschiedlich sein kann. Der hier vorgestellte Test wurde mit ChatGPT in englischer Sprache durchgeführt und mit den Ergebnissen eines Tests in französischer Sprache verglichen.

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Zusammenfassung
  • Psychologen haben ChatGPT in einem standardisierten Test auf emotionales Bewusstsein getestet. Die Maschine schnitt dabei deutlich besser ab als Menschen.
  • In dem Test mussten die Teilnehmenden Emotionen in fiktiven Situationen beschreiben. ChatGPT konnte die Emotionen der Menschen in den Szenarien sicher erkennen, reflektieren und abstrahieren, so die Forschenden.
  • Aufgrund dieser Ergebnisse gehen die Forschenden davon aus, dass ChatGPT ein nützliches Werkzeug in der Psychologie sein könnte, zum Beispiel in der Therapie, in der Diagnostik oder zur Verbesserung der emotionalen Kommunikation von medizinischem Fachpersonal.
Online-Journalist Matthias ist Gründer und Herausgeber von THE DECODER. Er ist davon überzeugt, dass Künstliche Intelligenz die Beziehung zwischen Mensch und Computer grundlegend verändern wird.
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