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China schiebt den Riegel vor. Autonom fahrende Robotaxis und Kartendienste sammeln den Behörden zu viele Daten. Ist die Weiterentwicklung der Technologie gefährdet?

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Chinas Regulierungsbehörden veröffentlichten im Juni einen neuen Gesetzesentwurf, der die Sammlung, Nutzung und Weitergabe von persönlichen Daten durch Unternehmen einschränken soll. Vor allem die Tech- und Online-Branchen um die großen Player Alibaba, Baidu oder Huawei müssen sich anpassen. Ab September tritt das neue Datengesetz in Kraft. Doch was heißt das für Chinas Smart City-Pläne und die so rasant wachsende Technologie des autonomen Fahrens?

Chinas Smart Cities sind gigantische Datenfresser

China hat große Pläne: Seit 25 Jahren arbeitet das Land am Ausbau der eigenen Informationsinfrastruktur. Das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnik (MIIT) wählte Anfang Mai fünf Städte für ein Pilotprogramm aus, nach deren Vorbild Chinas Smart Citys künftig entworfen werden sollen.

In Chinas Metropolen wird alles mit jedem vernetzt. Alibabas "City Brain" regelt den Verkehr beispielsweise mit einem KI-System. | Bild: Alibaba

Zentrale Elemente dieser landesweiten Modernisierung sind Big Data, Cloud Computing, Internet der Dinge und Künstliche Intelligenz. Behördengänge erledigen die Bürger beinahe ausschließlich online, bezahlt wird per Gesichts-Scan, KI-Systeme optimieren den Verkehrsfluss und Taxis fahren längst autonom und fahrerlos. Große chinesische Unternehmen wie Huawei bauen flächendeckend 5G-Netzwerke aus und es entstehen sogar eigene sensorbeladene Straßen für autonomes Fahren.

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Ist Chinas Automobilindustrie eine Gefahr für die nationale Sicherheit?

Gleichzeitig hegt das Land Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit und des öffentlichen Interesses. Vor allem der Automobilsektor und sein immer größer werdender Datenhunger sollen künftig stärker reguliert werden. Laut Nikkei Asia waren 2020 knapp die Hälfte aller verkauften Autos online-fähig.

Immer mehr Smart Cars verfügen über Sprachassistenten und erstellen umfassende Nutzerprofile oder erfassen die Umgebung mit Kameras und Sensoren. Am 12. Mai veröffentlichte die Chinese Cyberspace Administration (CAC) deshalb eine Richtlinie für die Sammlung und Nutzung von standortbezogenen und geografischen Daten durch die Automobilindustrie.

Ein autonom fahrendes Taxi der Apollo Go Flotte kann durch eine Smartphone-App von Baidu bestellt werden.
Erst kürzlich startete Baidu Pekings ersten kommerziellen Robo-Taxi-Dienst. Die Taxi-Bestellung läuft bequem per App. | Bild: Baidu

Auf zwei Arten von Daten kommt es den Behörden dabei besonders an: persönliche Nutzerdaten und sogenannte „wichtige Daten“. Dazu zählen Auto- und Fußgängerverkehrsströme, elektrische Ladeinfrastruktur, Stadtpläne und audiovisuelle Daten, die von Kameras und Sensoren eingefangen werden.

Ohne Genehmigung ist es Unternehmen künftig untersagt, Daten über den chinesischen Straßenverkehr oder Fahrzeugpositionierungen ins Ausland zu transferieren. Tesla kündigte bereits an, sämtliche Daten lokal in einem neuen Rechenzentrum in China speichern zu wollen.

Regulierungen könnten Entwicklung autonomer Fahrsysteme hemmen

Laut Xia Hailong, Anwalt mit Schwerpunkt auf Tech-Politik bei der Anwaltskanzlei Shanghai Shenlun, habe die neue Datenschutzrichtlinie einen sehr weiten Anwendungsbereich. Es bestehe nach wie vor eine große Unsicherheit bezüglich der Durchsetzung. "Ich kann mir vorstellen, dass die neuen Richtlinien einen relativ großen Einfluss auf Branchen wie Mobilität, Mapping und intelligente Fahrzeuge haben werden", so Xia gegenüber dem Tech-Magazin KrASIA.

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Eine Grafik, die ein autonom fahrendes Auto mit der Technologie von DeepMotion zeigt.
Beinahe alle aktuellen autonomen Fahrsysteme setzen auf HD-Karten zur Lokalisierung des Fahrzeugs in der Umwelt. | Bild: DeepMotion

Baidu, AutoX oder WeRide setzen auf autonome Fahrsysteme, die auf Echtzeit-Daten von Kameras, Lidar- und Radarsensoren angewiesen sind. Zudem werden die meisten aktuellen Systeme mit HD-Karten gefüttert. Um diese zu erstellen, erfassen Kartenspezialisten ganze Stadtteile digital und zentimetergenau. Damit wird während einer autonomen Fahrt weniger Rechenleistung verbraucht und das Robo-Auto kann seine Kapazitäten stärker auf andere Verkehrsteilnehmer oder Fußgänger konzentrieren.

Zudem setzen die Unternehmen vermehrt auf Mobility-as-a-Service-Angebote. Baidu startete einen großen Testlauf für autonomes Fahren in Guangzhou. Dabei kamen unzählige selbstfahrende Transportfahrzeuge zum Einsatz, die über verschiedene Apps bestellt werden konnten. Bei solchen Angeboten fällt ein enormer Fluss an persönlichen und geografischen Daten an.

Stadtkarten könnten künftig Lücken aufweisen

Das Sammeln von geografischen Daten ist auch für herkömmliche Taxi- und Ride-Hailing Unternehmen relevant. Chinas größter Ride-Hailing-Anbieter Didi Chuxing sammelt Umgebungsdaten und analysiert das städtische Verkehrs- und Fußgängeraufkommen.

Fahrer werden anschließend dort platziert, wo die meisten potenziellen Fahrgäste unterwegs sind. Alibabas Karten-App und Mobilitätsdienst AutoNavi nutzt für solche Analysen auch die Standortdaten seiner über 400 Millionen Nutzer.

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Laut Xia müssen die Unternehmen gemäß Artikel 11 der neuen Richtlinie ihre Absicht, Daten in sensiblen Bereichen zu nutzen, vor der Sammlung und Verarbeitung melden. "Dies könnte die Betriebskosten für Mobilitäts- und Kartierungsunternehmen erhöhen und sie sogar dazu zwingen, das Anbieten von Diensten in diesen sensiblen Bereichen zu überdenken", so der Anwalt.

Vor allem Regierungsbezirke und Gebiete mit staatlichen Einrichtungen könnten für Anbieter moderner Mobilitätsdienste so bald uninteressant werden. Auch die Kundenverifikation per Gesichtsscan oder die Kameraüberwachung der Fahrgastbereiche sei künftig nicht mehr ohne weiteres erlaubt. Laut Xia müsse gemäß Artikel 10 eine biometrische Alternative zur Identifikation bereitgestellt werden. Fahrgästen müsse eine Option zur Abschaltung der Aufnahmen angeboten werden.

Neue Datenschutzrichtlinien in China: Mühsam und zeitaufwendig

Aus den neuen Datenschutzbestimmungen geht außerdem hervor, dass Autobauer und Entwickler autonomer Fahrsysteme einen angemessenen Standard definieren müssen. Gemeinsam mit den Behörden soll bestimmt werden, wie viele Daten nötig sind, um die Fahrzeugsoftware zu verbessern. Wer Umgebungsdaten sammelt, müsse der zuständigen Cybersicherheitsverwaltung vorab Bericht erstatten. Zudem wäre ein jährliches Prüfungstreffen Pflicht.

Autonom fahrende RoboTaxis des Anbieters WeRide.
Aktuell werden Milliarden in die Entwicklung autonomer Fahrsysteme wie das von WeRide gesteckt.  | Bild: WeRide

Anwalt Xia sieht die neuen Anforderungen für die Unternehmen als mühsam und zeitaufwendig. Baidus Apollo oder das von Nissan unterstützte WeRide könnten in ihrer Entwicklung stark ausgebremst werden. Zumindest, wenn sie ihre aktuelle Datenpraxis weiterverfolgen.

Unternehmen seien gut beraten, einen proaktiven Ansatz in Bezug auf die Regierung zu verfolgen, um negative Auswirkungen auf das Geschäft zu minimieren. Das allgemeine Datenschutzgesetz sieht derzeit Geldstrafen zwischen 7.700 und 77.300 US-Dollar vor. Kleingeld für Baidu und Co. Allerdings riskieren nicht konforme Betreiber auch die Aussetzung ihres Geschäfts und somit Jahre der Forschung und Investitionen in Milliardenhöhe.

Titelbild: Pony.ai, Quelle: Xinhuanet, KrAsia

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Josef schreibt für THE DECODER über Robotik, autonomes Fahren, vernetzte Städte und smarte Geräte. Träumt von einem Smart Home, in dem sämtliche Sprachassistenten friedlich koexistieren.
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