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Als heilenden Prozess beschreibt eine Künstlerin die Erfahrung, die sie nach dem Training von GPT-3 mit jahrzehntealten Tagebucheinträgen gemacht hat.

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Schon ab Werk generieren KI-basierte Sprachtools wie GPT-3 überzeugende Texte. Ein kürzlich veröffentlichtes Update für GPT-3 mit menschlichem Feedback richtet die Textqualität noch näher an menschlichen Bedürfnissen aus. Ihr volles Potenzial entfalten Sprachmodelle, wenn sie mit spezifischen Daten für einen ganz bestimmten Anwendungsfall feinjustiert werden.

Diese Möglichkeit hat Künstlerin Michelle Huang genutzt, um einen Chatbot zu kreieren, über den sie mit ihrem "inneren Kind" ins Gespräch kommt. Dafür hat Huang die KI mit Tagebucheinträgen aus ihrer Kindheit gefüttert.

Wie sie in einem Twitter-Thread teilt, habe sie für mehr als zehn Jahre fast jeden Tag ein Tagebuch mit ihren Träumen, Ängsten und Geheimnissen geführt. Die Inhalte reichten von Beschwerden über ihre Hausaufgaben bis zu ihrem Schwarm. Mal belanglos, mal aufschlussreich.

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"Auf diese Weise konnte ich genau simulieren, wie es wäre, mit meinem Kindheits-Ich zu sprechen, basierend auf realen Datenquellen aus dieser Zeit", so Huang. Die Künstlerin glaubt, über den Chatbot einen direkten Zugang zu ihrem früheren Ich zu haben, anstatt zu riskieren, dass ihr aktuelles Ich ihr Selbstbild durch falsche Erinnerungen verzerrt.

Chatbot fragt, ob Träume wahr geworden sind

Zunächst hat Huang ihrem Vergangenheits-Ich allgemeine Fragen über die Welt gestellt. Das feingetunte Modell beantwortet diese Fragen recht allgemein, aber plausibel.

Heutige Michelle: Was hältst du von der Welt?
Junge Michelle: Ich finde, die Welt ist fantastisch und es gibt so viel zu lernen und zu entdecken. Ich glaube auch, dass es wichtig ist, etwas in der Welt zu bewirken und freundlich und verständnisvoll zu anderen zu sein.
Heutige Michelle: Was ist wichtiger: Freiheit oder Liebe?
Junge Michelle: Ich denke, beides ist wichtig, aber wenn ich mich für eines entscheiden müsste, würde ich sagen, dass die Liebe wichtiger ist. Liebe ist etwas, das uns in jeder Situation helfen kann, während Freiheit manchmal einsam sein kann.

Anschließend gab Huang ihrem digitalen Spiegelbild die Möglichkeit, ihr Fragen zu stellen. Das Modell wollte insbesondere wissen, ob Huang ihre Träume verfolgt hat, und machte ihr überschwängliche Komplimente.

"Diese spezielle Interaktion fühlte sich wie ein normaler Chat an - als würde ich meinem früheren Ich in Echtzeit eine Nachricht schicken", kommentiert Huang die Erfahrung.

Sie sei überrascht gewesen, wie genau das Modell ihre aktuellen Interessen, wenngleich nach vielen Anläufen und Irrtümern, aus alten Tagebucheinträgen vorhersagen konnte. Das führte sie zu der Frage, ob ihr Weg schon lange Zeit in ihrer Psyche vorgezeichnet wurde.

Empfehlung

So trainiert man die eigene Kinder-KI

Nach der überwältigenden Resonanz hat Huang in einem weiteren Thread ihr Vorgehen beim KI-Training geteilt. Dafür ist ein bezahlter Zugang zu GPT-3 notwendig - wie viele der kostenpflichtigen Tokens sie bei ihrem Experiment verbraucht hat, teilt sie nicht.

Ihren Chatbot hat sie mit folgendem Prompt trainiert. Zusätzlich bestehe die Möglichkeit, die Tonalität des Chatbots zu beeinflussen, etwa durch Beschreibungen wie "die junge [Name] ist liebevoll, sanft und sehr freundlich":

The following is a conversation with Present Michelle (age [redacted]) and Young Michelle (age 14).

Young Michelle has written the following journal entries:

[diary entries here]

Present Michelle: [type your question here]

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Zusammenfassung
  • Eine Künstlerin hat GPT-3 mit Tagebucheinträgen aus ihrer Kindheit trainiert.
  • Dadurch konnte sie in Echtzeit mit ihrem früheren Ich chatten.
  • "Ich fühlte mich, als würde ich durch ein Zeitportal greifen, das als Chatbox getarnt war", beschreibt sie ihre berührende Erfahrung.
Quellen
Jonathan ist Technikjournalist und beschäftigt sich stark mit Consumer Electronics. Er erklärt seinen Mitmenschen, wie KI bereits heute nutzbar ist und wie sie im Alltag unterstützen kann.
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