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Google will noch in diesem Jahr eine neue Chatbot-Suche auf den Markt bringen. Wie könnte sie funktionieren?

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Googles zentrale Herausforderung bei einer Chatbot-Suche ist die Verlagerung der Verantwortung: Google gibt direkte Antworten auf Suchanfragen, anstatt Links zu den Antworten von Webseitenbetreibern anzuzeigen.

Letzteres bringt Google bereits in eine Teilverantwortung für die Antworten auf Suchanfragen: Durch die Priorisierung der Suchergebnisse nimmt Google Einfluss auf die Informationsbeschaffung. In der Null-Klick-Suche zitiert Google selbstbewusst mehr oder weniger passende Auszüge aus Webseiten zu Suchanfragen.

Doch erst mit der Chatbot-Suche, die laut New York Times für 2023 geplant ist, würde Google auch die Verantwortung für das geschriebene Wort übernehmen.

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Die Fallstricke einer Chatbot-Suche

Abgesehen von der Monetarisierung gibt es mindestens vier zentrale Herausforderungen für Google:

  1. Die Informationen des Chatbots dürfen nicht falsch sein. Andernfalls ist der Chatbot für eine Suchanfrage nicht vertrauenswürdig und damit überflüssig oder sogar schädlich.
  2. Selbst wenn Google in der Lage wäre, einen zuverlässigen Such-Chatbot zu entwickeln, wäre die Übernahme der Verantwortung für die Antworten ("Google hat gesagt, dass ...") in der Größenordnung, in der Google operiert, eine große Herausforderung. Selbst korrekte Antworten könnten missverstanden werden.
  3. Google benötigt ein System, das Webseitenbetreiber und Inhaltsersteller:innen integriert. Sie liefern über einen längeren Zeitraum die Informationen, die der Chatbot für seine Antworten benötigt. Außerdem sind sie über Such- und Displayanzeigen Werbekunden von Google.
  4. Wenn Google Webseitenbetreiber und Inhalteersteller:innen in die Chatbot-Suche integriert, muss dies auf eine Weise geschehen, die Urheberrechte wahrt und Publisher profitieren lässt. Die jahrelange Debatte um ein EU-weites Leistungsschutzrecht zeigt, wie anspruchsvoll diese Aufgabe ist. Mit einem Chatbot könnte sie weiter an Dynamik gewinnen.

Google könnte, ähnlich wie OpenAI mit ChatGPT, ein experimentelles, eigenständiges Chatbot-Produkt auf den Markt bringen, das neben der Beantwortung von Fragen viele weitere Fähigkeiten bietet, nicht explizit als Suchmaschine konzipiert ist und daher nicht alle oben genannten Anforderungen vollständig erfüllen muss.

Dieser Chatbot könnte Sparrow von Deepmind sein, Microsoft und OpenAI etwas Wind aus den Segeln nehmen und die Aktionär:innen beruhigen. Es wäre eine kurzfristige Lösung.

Google wird die Null-Klick-Suche mit KI optimieren

Langfristig halte ich es für wahrscheinlicher, dass Google die bestehende Suche mit KI Schritt für Schritt optimiert und dabei stets die Monetarisierung auf höherem Niveau einplant. Die Suche ist seit Jahren Googles Wachstumsmotor und Goldesel, der Quartal für Quartal Milliardenumsätze generiert. Hier wird Google kein finanzielles Risiko eingehen und einen Suchmaschinen-Reset durchführen.

Stattdessen wird Google zunächst Bereiche identifizieren, in denen es mit hoher Wahrscheinlichkeit kompetente Antworten geben kann. Auf spezielle Fragenkataloge feingetunte Sprachmodelle wie etwa Med-PaLM können verlässlich auf dem Niveau menschlicher Expert:innen antworten.

Empfehlung

Google könnte solche Modelle für verschiedene Kategorien trainieren und durch Nutzer:innen-Feedback feintunen. In KI-Segmenten, die es verlässlich bespielen kann, wird Google mit neuen Werbeformaten experimentieren, etwa mit Werbelinks direkt in KI-generierten Antworten.

Ferner wird Google KI-Methoden einsetzen, um mehrere Quellen zuverlässig zusammenzufassen. Diese Zusammenfassungen und Zitate wird es in seine eigenen KI-Antworten einweben und versuchen, jeder KI-Behauptung eine menschliche Quelle zur Seite zu stellen.

Auf diese Weise könnte Google zumindest einen Teil der Verantwortung an die zitierten Quellen abgeben, würde aber dennoch von einer Verlagerung der Aufmerksamkeit auf die eigene Plattform profitieren.

Gleichzeitig würde Google unabhängiger von den Inhalten, die Webseitenbetreiber und Verlage für die Suche bereitstellen. Durch die KI-Antworten würde Google zudem die Anzahl der Interaktionen und die Verweildauer auf der eigenen Plattform erhöhen und den eigenen Werbewert steigern.

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Das wissenschaftliche KI-Modell Meta Galactica hat gezeigt, dass bei Zitaten noch technische Probleme zu lösen sind. Google kann jedoch engere Vorgaben machen.

Perplexity.ai zeigt die Zukunft der Google-Suche

Wer sich nun fragt, wie eine solche kombinierte Chatbot-Zitat-Suche konkret in der Praxis aussehen könnte, navigiert auf die Website von Perplexity.ai: Die experimentelle Chat-Suchmaschine generiert auf Basis der Inhalte von Website-Betreibern eine Antwort auf eine Frage und nennt weiterführende Quellen.

Frage ich etwa nach dem besten VR Headset 2022, nennt es mir Metas Quest 2, eine Begründung für diese Empfehlung und referenziert weiterführende Quellen. Das funktioniert oberflächlich gut, fällt aber auseinander, sobald ich in die Tiefe frage: Soll ich wirklich kaufen?

Quest 2 sei zwar das beste VR-Headset, antwortet Plerplexity.ai, aber der Kauf sei nicht empfehlenswert, da es von Facebook hergestellt wird - und verweist hier auf die Meinung eines einzelnen Tech-Redakteurs.

Screenshot des Such-Interface von Perplexity.ai. Sichtbar ist die Antwort auf die Frage, ob man Quest 2 kaufen solle. Die Suchmaschine rät letztlich ab.
Die Chatbot-Suchmaschine Perplexity.ai ist ein redaktionelles "wir" und rät vom Kauf eines Facebook-Headsets ab, weil ein einzelner Autor aus den zitierten Quellen dieser Ansicht ist. Das ist weit entfernt von einer verlässlichen Information. | Bild: Perplexity.ai

Zudem ändert sich die Empfehlung von Perplexity mit jeder neuen Suchanfrage, auch wenn der Tenor ähnlich bleibt. Die experimentelle Suchmaschine taugt daher nur als Interface-Demo, als Proof of Concept. So könnte es gehen.

Und Google? Könnte es besser.

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Mit einem schrittweisen Ansatz, mit spezialisierten Modellen und immensem Datentraining, kombiniert mit Feedback-Daten von Nutzenden, die in diesem Umfang nur Google hat, könnte der Suchkonzern sukzessive für immer mehr Kategorien die Content-Probleme in den Griff bekommen und immer zuverlässiger per KI antworten.

Dieser Prozess wird fließend sein und die Verlage werden darunter leiden. Ich erwarte große Diskussionen über Urheberrechte und Regulierung.

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Online-Journalist Matthias ist Gründer und Herausgeber von THE DECODER. Er ist davon überzeugt, dass Künstliche Intelligenz die Beziehung zwischen Mensch und Computer grundlegend verändern wird.
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