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Größte Seed-Finanzierung eines europäischen Start-ups: Langjähriger Deepmind-Forscher David Silver gründet KI-Start-up

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David Silver (Screenshot Google Deepmind)

Kurz & Knapp

  • David Silver, einer der profiliertesten KI-Forscher Großbritanniens und ehemaliger Mitarbeiter von Google Deepmind, sammelt laut Financial Times rund eine Milliarde Dollar für sein neues Londoner Start-up Ineffable Intelligence ein.
  • Die von Sequoia Capital angeführte Seed-Runde würde das Unternehmen mit etwa vier Milliarden Dollar bewerten und wäre die größte Seed-Finanzierung eines europäischen Start-ups überhaupt.
  • Ineffable Intelligence setzt auf Reinforcement Learning statt auf große Textmengen: KI-Systeme sollen durch Versuch und Irrtum sowie mithilfe sogenannter Weltmodelle eigenständig lernen und sich kontinuierlich an ihre Umwelt anpassen, ähnlich wie Menschen oder Tiere.

Der britische KI-Forscher David Silver will mit seinem neuen Londoner Start-up Ineffable Intelligence "übermenschliche Intelligenz" bauen. Die Seed-Runde von einer Milliarde Dollar wäre die größte, die ein europäisches Start-up je eingesammelt hat.

Der frühere Deepmind-Forscher David Silver sammelt laut einem Bericht der Financial Times rund eine Milliarde Dollar für sein neues Start-up Ineffable Intelligence ein. Die Finanzierungsrunde wird demnach von Sequoia Capital angeführt und soll das Unternehmen mit etwa vier Milliarden Dollar bewerten, noch vor der neuen Investition. Damit wäre es laut PitchBook die größte Seed-Runde, die jemals ein europäisches Start-up abgeschlossen hat.

Silver verließ Google Deepmind Ende vergangenen Jahres, um sein ebenfalls in London ansässiges neues Unternehmen zu gründen. Sein Abgang löste der Financial Times zufolge einen intensiven Wettbewerb unter Investoren aus: Sequoia-Managing-Partner Alfred Lin und Partnerin Sonya Huang reisten persönlich nach London, um Silver zu treffen, der auch als Professor am University College London tätig ist.

Auch Nvidia, Google und Microsoft befinden sich demnach in Gesprächen über eine Beteiligung. Die Verhandlungen laufen noch, die endgültigen Konditionen könnten sich ändern.

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Silver trat Deepmind kurz nach dessen Gründung im Jahr 2010 bei und war an einigen der bedeutendsten Durchbrüche des KI-Labors beteiligt. Er arbeitete maßgeblich an AlphaGo, AlphaZero und MuZero mit. AlphaGo und das verwandte Programm AlphaStar besiegten die weltbesten Spieler im Strategiespiel Go und im Videospiel StarCraft. Nach der Übernahme von Deepmind durch Google im Jahr 2014 spielte der 49-Jährige zudem eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Googles Gemini-Sprachmodellfamilie.

Reinforcement Learning statt Textdaten als Grundlage

Ineffable Intelligence soll auf Silvers Arbeit im Bereich Reinforcement Learning aufbauen. Bei diesem Ansatz lernen KI-Systeme durch Versuch und Irrtum selbst, nicht primär durch große Textmengen aus dem Internet, wie es bei den meisten heutigen Sprachmodellen der Fall ist. Silver sieht große Sprachmodelle als begrenzt an, da sie auf menschlichem Wissen basieren. Ineffable Intelligence soll laut Silver eine "endlos lernende Superintelligenz bauen, die selbst die Grundlagen allen Wissens entdeckt".

In einem gemeinsam mit dem kanadischen Informatiker Richard Sutton verfassten Paper zur "Era of Experience" prognostizierten Silver und Sutton, dass "eine neue Generation von Agenten übermenschliche Fähigkeiten erwerben wird, indem sie vorwiegend aus Erfahrung lernt". Erfahrung werde zum "dominanten Medium der Verbesserung" und die Menge menschlicher Daten, die in heutigen Systemen verwendet wird, letztlich weit übertreffen.

Zentral dabei sind sogenannte Weltmodelle, also interne Simulationen, mit denen KI-Agenten die Folgen ihrer Handlungen vorhersagen können. Statt einmalig trainiert zu werden, sollen sich solche Agenten über Monate oder Jahre kontinuierlich an ihre Umwelt anpassen, ähnlich wie Menschen oder Tiere. KI-Agenten, die komplexe Aufgaben auf Basis menschlicher Anweisungen eigenständig erledigen können, gelten zunehmend als Schlüssel zur Weiterentwicklung und Kommerzialisierung von KI.

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Wachsende Zweifel an der Transformer-Architektur

Silver reiht sich damit in eine wachsende Zahl führender KI-Forscher ein, die nicht glauben, dass die aktuelle Transformer-Sprachmoedll-Architektur allein zu Superintelligenz führt. Ilya Sutskever etwa, ehemaliger Chefwissenschaftler von OpenAI, hat mit Safe Superintelligence ein eigenes Start-up gegründet, das abseits aktueller großer Sprachmodelle nach neuen Ansätzen sucht.

Auch Jerry Tworek, der bei OpenAI maßgeblich an der Entwicklung der Reasoning-Modelle beteiligt war, verließ das Unternehmen kürzlich und gründete das Start-up Core Automation. Er sieht wie Silver kontinuierliches Lernen als einen der letzten wichtigen Bausteine vor echter KI: Solange Modelle nicht unmittelbar aus Daten lernten, blieben ihre Fähigkeiten begrenzt. Solch grundlegende Forschung sei bei einem stark kommerziell orientierten Unternehmen wie OpenAI nicht mehr möglich, so Tworek.

Zuvor hatte bereits Arthur Mensch Google Deepmind verlassen und 2023 das französische Start-up Mistral gegründet, das in seiner Seed-Runde 105 Millionen Euro einsammelte. Die Finanzierung von Ineffable Intelligence würde diesen damaligen europäischen Rekord um ein Vielfaches übertreffen.

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Quelle: Financial Times