Die Risikokapitalgesellschaft Andreessen Horowitz (a16z) hat die fünfte Ausgabe ihrer Top 100 Gen AI Consumer Apps veröffentlicht. Das Ranking zeigt: Der Markt konsolidiert sich, Google macht große Sprünge und chinesische Anbieter erobern den Mobile-Bereich.
Nur elf neue Namen schafften es verglichen mit der vorherigen Ausgabe vom März 2025 auf die Web-Liste der Top 100 Gen AI Consumer Apps von Andreessen Horowitz. Damals waren es noch 17 Newcomer. Nach zweieinhalb Jahren Datensammlung zeigt das Ranking, dass sich der KI-App-Markt zu stabilisieren beginnt.
Die Mobile-Liste verzeichnet 14 neue Einträge, was laut den Analyst:innen auf App-Store-Maßnahmen gegen "ChatGPT-Kopien" zurückzuführen ist. Das Ranking basiert auf den Top 50 KI-nativen Web-Produkten nach monatlichen Unique Visits (Similarweb) und den Top 50 KI-nativen Mobile-Apps nach monatlich aktiven Nutzern (Sensor Tower).


Google attackiert ChatGPT mit vier Produkten
Google platzierte erstmals vier Produkte auf der Web-Liste. Gemini landete auf Platz 2 hinter ChatGPT mit etwa zwölf Prozent von ChatGPTs Web-Traffic.
Auf Mobile ist der Abstand geringer: Gemini erreicht hier fast die Hälfte der monatlich aktiven Nutzer:innen von ChatGPT. Besonders stark ist Gemini auf Android-Geräten mit fast 90 Prozent der Nutzer:innenbasis, verglichen mit 60 Prozent bei ChatGPT. Hier dürfte Google seinen "Heimvorteil" ausspielen.

AI Studio debütierte in den Top 10. Die Testumgebung für Gemini-Modelle soll Entwickler:innen beim Aufbau mit Gemini-Modellen helfen. Das Recherche-Tool NotebookLM folgt auf Platz 13, nachdem es als eigenständige Website von Google Labs ausgegliedert wurde. Im Vergleich zu ChatGPT sind beide allerdings extreme Nischentools, die nur von KI-Enthusiasten genutzt werden.
Die Experimente-Sammlung Google Labs selbst rangiert auf Platz 39 und verzeichnete einen Traffic-Anstieg von mehr als 13 Prozent nach dem Launch von Veo 3 im Mai 2025.
Grok wächst von null auf 20 Millionen Nutzer
Der Wettbewerb der allgemeinen LLM-Assistenten intensiviert sich. ChatGPT führt weiterhin, aber Google, Grok und Meta holen auf. Der X-Assistent Grok erreichte Platz 4 auf Web und Platz 23 auf Mobile. Besonders beeindruckend ist Groks Mobile-Wachstum weniger als ein Jahr nach Launch auf über 20 Millionen monatlich aktive Nutzer:innen.
Grok verzeichnete im Juli 2025 einen Sprung von fast 40 Prozent. Der Anstieg folgte auf die Veröffentlichung von Grok 4 im Juli und KI-Companion-Avatare in der iOS-App kurz darauf. Hier dürfte eine Rolle spielen, dass der Bot stark über Elon Musks X-Plattform gepusht wird.

Meta AI wächst weniger stark. Der Assistent rangiert auf Platz 46 im Web und verpasste die mobile Schwelle. Nach einem Vorfall im Juni 2025, als Nutzern auffiel, dass Beiträge in einem öffentlichen Feed erschienen, verlangsamte sich das Wachstum.
Deepseek fiel dramatisch ab: um über 40 Prozent im Web und 22 Prozent auf Mobile vom Februar-Peak. Allerdings war der anfängliche Hype auch enorm. Perplexity und Claude hingegen wachsen kontinuierlich.
22 der 50 beliebtesten Mobile-Apps stammen aus China
In den Web-Top-20 sind drei chinesische Unternehmen vertreten: Quark (Alibaba) auf Platz 9, Doubao (Bytedance) auf Platz 12 und Kimi (Moonshot AI) auf Platz 17. Sie alle haben chinesischsprachige Websites und generieren über 75 Prozent ihres Traffics aus China.

Laut a16z liegt das an der Größe Chinas und dem beschränkten Zugang zu nicht-chinesischen LLM-Assistenten wie ChatGPT, Perplexity und Claude. KI-Anbieter, die in China operieren möchten, müssen sich registrieren und eine Lizenz erwerben. Dies erfordert die Speicherung von Daten im Inland sowie die Einhaltung von Zensur- und Moderationsvorschriften.
Noch ausgeprägter ist der Trend auf Mobile. Schätzungsweise 22 der 50 Apps wurden in China entwickelt, während nur drei primär in China genutzt werden. Besonders stark vertreten ist das KI-Unternehmen Meitu mit fünf Einträgen (Photo & Video Editor, BeautyPlus, BeautyCam, Wink und Airbrush).
Laut den Analyst:innen haben chinesische Videomodelle gegenüber westlichen Modellen Vorteile, da es mehr Forscher:innen gibt und weniger IP-Regulierungen bestehen. Veo 3 war das erste US-Modell, das diesen Trend durchbrach – auch dank Googles Zugriff auf YouTube-Trainingsdaten.
"Vibe Coder" bleiben und zahlen mehr
Im März 2025 war in dieser Sparte lediglich das US-amerikanische Bolt.new auf der Web-Liste vertreten. Jetzt stehen das schwedische Start-up Lovable auf Platz 22 und Replit auf der Hauptliste, während Bolt knapp den Cutoff verpasste.
Daten von Consumer Edge für eine führende US-Vibde-Coding-Plattform zeigen einen interessanten Trend: Betrachtet man eine Gruppe von Nutzer:innen, die zur gleichen Zeit gestartet ist, gibt diese Gruppe nach mehreren Monaten insgesamt mehr Geld aus als zu Beginn. Das liege daran, dass die verbleibenden, treuen Nutzer:innen ihre Ausgaben so stark erhöhen, dass sie die Verluste durch abgewanderte Kunden mehr als ausgleichen. Unerwähnt bleibt indes, dass viele Anbieter ihre Preise kürzlich erhöht haben.

Nutzer:innen erstellen mit Replit und Lovable Websites, die dann unter den Domains der Anbieter veröffentlicht werden. Diese generierten Websites sorgen für zusätzlichen Traffic bei den Plattformen, der in dem Ranking jedoch nicht inkludiert wurde.
Der Traffic auf den von Nutzer:innen erstellten Websites von lovable.app war so hoch, dass er allein für einen Platz unter den Top 50 gereicht hätte. Das kann man als Erfolg für Lovable interpretieren – oder als Indiz dafür, wie klein der Markt noch ist.
Auch andere Anbieter im "Vibe-Coding-Stack" profitieren. Supabase ist ein Datenbank-Provider, der eng mit Plattformen wie Bolt und Lovable verzahnt ist. Das Unternehmen verzeichnet ein Traffic-Wachstum, das parallel zu dem der Coding-Plattformen verläuft.
Eine kürzlich durchgeführte, groß angelegte Umfrage hat gezeigt, dass Vibe Coding bei professionellen Entwickler:innen bisher nicht angekommen ist. 72 Prozent der Befragten praktizieren es nicht und fünf Prozent lehnen es ausdrücklich ab.
14 Unternehmen überstehen alle fünf Rankings
In allen bisher veröffentlichten Web-Top-50-Listen erschienen 14 Unternehmen, die sogenannten "All Stars". Sie repräsentieren verschiedene KI-Anwendungen: allgemeine Assistenz (ChatGPT, Perplexity, Poe), Companionship (Character AI), Bildgenerierung (Midjourney, Leonardo) sowie Produktivitätstools (Photoroom, Gamma, Quillbot).
Fünf der "All Stars" nutzen proprietäre Modelle, sieben nutzen Modelle anderer Anbieter und zwei sind Modell-Aggregatoren. Alle stammen aus nur fünf Ländern (USA, Großbritannien, Australien, China und Frankreich). Bis auf zwei haben alle Venture-Funding erhalten. Midjourney ist bekanntlich bootstrapped und auch Cutout Pro hat kein externes Kapital aufgenommen.