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DEEP MINDS Podcast
Podcast über Künstliche Intelligenz und Wissenschaft
DEEP MINDS #12: Künstliche Intelligenz regulieren

Ein bekanntes Spielestudio verwendet vermeintlich KI-Stimmen für ein Videospiel. Eine Klarstellung enthält ein Bekenntnis zu menschlicher Schaffenskraft. Es ist eine weitere Fußnote in der Debatte um den Wert menschlicher Arbeit, die in Zukunft häufiger geführt werden wird.

Es ist eben jene Debatte, die sich in den letzten Monaten so vehement an KI-generierten Bildern entfachte. Sind sie Kunst? Wenn ja, dürfen sie menschlicher Kunst gleichgestellt werden? Schaden sie der Kunst? Sind sie gar Plagiate, weil KI beim Training – in ihrer Inspirationsphase, sozusagen – menschliche Werke begutachtet und dann in Spurenelementen repliziert?

Allein Bildmaschinen wie DALL-E 2, Stable Diffusion oder Midjourney werfen unzählige Fragen zum Wert und Zusammenspiel menschlicher und maschineller Arbeit auf. Diese Fragen dürften noch zunehmen, denn generative KI wird nicht bei 2D-Bildern aufhören. Ein weiteres Feld, das sie bereits erschließt, ist Audio.

Spielestudio bekennt sich zu menschlicher Arbeit

Das Magazin GLFH berichtete über eine wachsende Sorge unter Videospieldarsteller:innen, dass ihre Arbeit von KI übernommen werden könnte. In kleineren Videospielprojekten oder für Nebenrollen kommen KI-Stimmen bereits zum Einsatz.

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GLFH erwähnte im Artikel explizit das bekannte Spielestudio Ninja Theory, das Kunde des KI-Stimmen-Start-ups Altered AI sei. Kleinere Studios – ok. Aber ein bekanntes Studio, das für einen großen Titel („Hellblade 2“) KI-Stimmen einsetzt? Das könnte Signalwirkung haben.

Bei Twitter rechtfertigt sich Ninja Theorie jedoch auf Nachfrage, ob es tatsächlich menschliche durch maschinelle Arbeit ersetze: KI-Stimmen würden nur als Platzhalter während der Spielentwicklung dienen.

„Dann arbeiten wir mit echten Schauspielern zusammen, deren Leistungen das Herzstück unserer Geschichten sind“, schreibt das Studio und veröffentlicht etwas später ein kurzes Video zweier Darstellerinnen aus dem Aufnahmestudio.

Interessant an dieser Stellungnahme ist, dass das Studio die Bedeutung menschlicher Ausdrucksstärke für das eigene Werk explizit hervorhebt, anstatt KI-generierte Stimmen einfach nur als weiteres Werkzeug bei der Spieleentwicklung zu sehen. Ein ähnliches Beispiel, das wohl weniger kritisch beurteilt würde, sind Animationen, die ebenfalls mit menschlichen Schauspieler:innen oder vollständig synthetisch erstellt werden können.

KI-Audio ist längst auf dem Vormarsch

Dennoch: KI-generierte Stimmen klingen immer echter, sodass es für Spiele- oder Filmstudios zunehmend schwieriger werden wird, den Einsatz teurerer menschlicher Sprecher:innen zu rechtfertigen. Je knapper das Budget, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass KI-Audio von Studios als attraktive Alternative bewertet wird.

Empfehlung

Videospiele-Modder etwa setzen schon KI-Stimmen ein, um ihren Projekten den Flair des Originals zu geben, ohne die ursprünglichen Sprecher:innen anheuern zu müssen. Hier stellen sich allerdings erneut Fragen bezüglich des Copyrights, denn die Modelle wurden ohne Erlaubnis mit den Stimmen der ursprünglichen Sprecher:innen trainiert.

KI-generierte Stimmen schaffen es zudem schon in große TV- und Kinoproduktionen, etwa in Top Gun, weil Schauspieler Val Kilmer nach einer Kehlkopfkrebserkrankung nicht mehr selbst den „Iceman“ vertonen konnte. Sonantic, das Start-up hinter der Audio-Technik, gehört jetzt Spotify.

In der Dokumentation „Roadrunner“ über den 2018 verstorbenen TV-Star Anthony Bourdain sprach eine synthetische Stimme Bourdains, die mit seiner Originalstimme trainiert wurde, einige Zitate ein.

Und ganz aktuell wurde bekannt, dass die Darth-Vader-Stimme James Earl Jones die Zeilen für die Star-Wars-Serie „Obi-Wan Kenobi“ nicht selbst einsprach. Stattdessen erteilte er der ukrainischen Firma Respeech die Erlaubnis, seine Stimmdaten für das Training einer KI-Stimme zu verwenden. Bruce Willis tat es Jones zuvor gleich – allerdings für sein Gesicht.

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Menschliche Sprecher:innen und Schauspieler:innen wird KI freilich nicht ersetzen, schon allein weil ihre Darbietung die KI-Technologie antreibt, ähnlich wie die Arbeit menschlicher Künstler:innen hinter den Ergebnissen der Bildmaschinen steht. Aber das Potenzial, den Arbeitsmarkt drastisch zu verändern, hat die Technik allemal.

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Zusammenfassung
  • KI-generierte Stimmen werden zunehmend eine Alternative zu echten Schauspieler:innen.
  • Das bekannte Spielestudio Ninja Theory wehrt sich gegen die Behauptung, es würde menschliche Akteure mit synthetischen Stimmen ersetzen, und hebt explizit den Wert menschlicher Arbeit hervor.
  • Insgesamt ist KI-Audio jedoch auf dem Vormarsch. Es existieren bereits zahlreiche Beispiele für den Einsatz synthetischer Stimme auch in großen Produktionen.
Online-Journalist Matthias ist Gründer und Herausgeber von THE DECODER. Er ist davon überzeugt, dass Künstliche Intelligenz die Beziehung zwischen Mensch und Computer grundlegend verändern wird.
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