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OpenAIs Sprach-KI kann Mathe – zumindest ein bisschen. Warum ist das überraschend und was bedeutet es?

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Seit Juni 2020 haben erste Entwickler Zugriff auf OpenAIs GPT-3 und demonstrieren die beeindruckenden Fähigkeiten der Text-KI in verschiedenen Anwendungen: Sie kann Sprachbefehle in funktionierenden Web-Code verwandeln, Entwickler-Legende John Carmack imitieren oder als Suchmaschine genutzt werden.

Das ist nur ein Bruchteil der vielfältigen KI-Experimente, die klar machen: GPT-3 überrascht mit unerwarteten Fähigkeiten.

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Unerwartet sind GPT-3s Fähigkeiten, da die Text-KI im Kern sehr einfach funktioniert: Sie sagt das nächste wahrscheinliche Wort voraus ausgehend von einer vorhandenen Reihe Wörter. So vervollständigt sie Sätze, Gedichte oder ganze Essays.

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Doch im Training hat GPT-3 ganze 470 Gigabyte Webtext gesehen - darunter auch Code-Beispiele oder Rechentabellen. Wie verwertet sie diese Symbole?

In den Experimenten zeigt sich: Das Prinzip der Wort-Vorhersage überträgt sich nahtlos von Buchstaben auf Zahlen und Sonderzeichen. So kommt es, dass GPT-3 Mathe kann – obwohl die KI nie explizit dafür trainiert wurde.

GPT-3 rechnet tatsächlich

Einen Ausblick auf diese Fähigkeit gab es bereits im Mai, als OpenAI die neue Text-KI erstmals vorstellte. In einem Abschnitt der wissenschaftlichen Arbeit untersuchen die OpenAI-Forscher die mathematischen Fähigkeiten der KI.

Die Forscher lassen dort die große Variante von GPT-3 mit 175 Milliarden Parametern gegen kleinere Varianten in der Addition, Subtraktion und Multiplikation von zwei- bis fünfstelligen Zahlen antreten.

Das größte Modell legt einen deutlichen Leistungssprung in seiner Rechenfähigkeit hin. | Bild: OpenAI.
Das größte Modell legt einen deutlichen Leistungssprung in seiner Rechenfähigkeit hin. | Bild: OpenAI.

Es zeigt sich: Das große Modell, also das besonders umfangreich trainierte, kann wesentlich besser rechnen und addiert und subtrahiert zuverlässig zwei- und dreistellige Zahlen. In anspruchsvolleren Rechenaufgaben schlägt sich das große Modell ebenfalls besser – aber liegt in 75 bis 90 Prozent der Fälle falsch und damit weit unter jeder Alltagstauglichkeit.

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OpenAI prüfte außerdem, dass GPT-3 die Lösungen für die Matheaufgaben nicht einfach nur im großen Texthaufen abliest: In den Trainingsdaten finden sich lediglich 0,8 Prozent bzw. 0,1 Prozent der 2.000 getesteten Additions- und Subtraktions-Rechenaufgaben mit dreistelligen Zahlen.

Mit anderen Worten: GPT-3 hat gelernt, zu rechnen - obwohl das nie die Intention der Entwickler war.

Hat GPT-3 gelernt, zu lernen?

Experimente von Facebook zeigen, dass die von GPT-3 genutzte Transformer-Architektur in der Lage ist, komplexe mathematische Formeln zu lösen. Facebook nutzte dafür aber einen spezialisierten Datensatz, der die KI direkt für die Lösung von Formeln trainierte.

GPT-3 hingegen macht aus den mangelnden Trainingsdaten eine Tugend: Die KI lernt rechnen, um ihr eigentliches Lernziel besser zu erreichen – das nächstwahrscheinliche Zeichen in einer Zeichenfolge vorhersagen.

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Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass ausreichend vielfältig trainierte KI-Systeme wie GPT-3 gewisse generalisierte, logische Fähigkeiten erlernen können.

Da die Kurven in allen Benchmarks für GPT-3s Fähigkeiten steil nach oben zeigen, wird OpenAI wohl ein noch größeres Modell trainieren. Das könnte noch besser rechnen und neue, unerwartete Fähigkeiten zeigen.

Über OpenAIs GPT-3 und die unerwarteten Mathe-Fähigkeiten einer Text-KI sprechen wir ausführlich in unserem MIXED.de Podcast #205.

Via: Arxiv

Weiterlesen über OpenAIs GPT-3:

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Max ist leitender Redakteur bei THE DECODER. Als studierter Philosoph beschäftigt er sich mit dem Bewusstsein, KI und der Frage, ob Maschinen wirklich denken können oder nur so tun als ob.
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