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Der kanadische Psychologe Jordan Peterson inszeniert sich in zahlreichen Videos und Podcasts. Jetzt wurde er selbst und gegen seinen Willen inszeniert - per Deepfake: In einer Wutrede beschimpft er die deutsche Bundesregierung. Regierungskritiker auf Twitter loben Peterson für seine Beleidigungen. Sie merken nicht, dass sie einem Deepfake aufgesessen sind.

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Seit dem Aufkommen von Deepfakes circa 2017 wurde deren schädliches Potenzial insbesondere für politischen Missbrauch und Meinungsmache in sozialen Medien beschworen. Bislang hat sich diese Befürchtung in der Breite nicht bewahrheitet. Dass sie dennoch existiert, zeigt das folgende Beispiel.

Regierungskritiker fallen auf Peterson-Deepfake herein

Der deutschsprachige Twitter-Nutzer "Snicklink" verbreitet auf Twitter politisch motivierte Deepfake-Videos, darunter Ende Februar auch das von Peterson. Snicklink bezeichnet seine Videos als "KI-Aktivismus" und "digitalen Meme-Krieg", um "sie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen". In seinem Peterson-Deepfake äußert sich Snicklink unter anderem abfällig über Versprecher von Außenministerin Annalena Baerbock.

In einem zweiten Video bedankt sich Snicklink per Peterson-Deepfake bei seinem "deutschen Publikum" für die freundliche Unterstützung seines Videos über die "lächerliche deutsche Regierung".

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Trotz der technischen Mängel des Videos fallen zahlreiche Twitter-Nutzer auf den Peterson-Deepfake herein, fühlen sich in ihrer politischen Meinung bestätigt und verbreiten das Video.

"Wir sind zum Gespött der Welt geworden - völlig verdient", schreibt ein Nutzer. "Die deutsche Regierung ist eine Clownshow", ein anderer.

Ein Nutzer freut sich über Petersons internationale Reichweite. "Jordan Peterson hat Reichweite ... jetzt dürfte so ziemlich jeder mitbekommen haben, dass Deutschland von den Besten der Besten der Besten regiert wird."

Ein Nutzer rechtfertigt, dass er auf den Deepfake hereingefallen ist: "Ich bin wegen der Länge des Videos nicht auf die Idee gekommen, dass jemand so verrückt ist, so viel Mühe dafür reinzustecken, zumal Peterson cool ist."

Original-Peterson bezeichnet Deepfakes als brandgefährlich

Diese Beispiele zeigen, wie aktionistisch politische Deepfakes wirken können. Bei genauerem Hinsehen erkennt man zwar, dass Tonfall und Lippenbewegung nicht zusammenpassen. Doch auf kleinen Smartphone-Displays oder beim schnellen Scrollen in sozialen Medien fällt dies kaum auf. Zudem mangelt es vielen Nutzer:innen an Medienkompetenz, da sie Peterson solche Aussagen zuzutrauen scheinen, anstatt sie kritisch zu hinterfragen.

Empfehlung

Snicklinks Deepfake erzielte genug Reichweite, um den originalen Jordan Peterson zu einer Richtigstellung zu bewegen: "Hier kursiert ein KI-Deepfake von mir, in dem ich mich abfällig über die deutsche Regierung äußere. Die Stimme ist falsch, aber ansonsten ist es einigermaßen überzeugend."

Die Produktion eines solchen Videos müsse als Verbrechen angesehen werden, das mit mindestens zehn Jahren Gefängnis bestraft werde, so Peterson. Die Technologie sei "unvorstellbar gefährlich".

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Zusammenfassung
  • Ein deutschsprachiger Twitter-Nutzer verbreitet auf Twitter politisch motivierte Deepfake-Videos, die er selbst als "KI-Aktivismus" und "digitalen Meme-Krieg" bezeichnet.
  • Eines seiner Deepfake-Videos zeigt den kanadischen Psychologen Jordan Peterson, der die deutsche Bundesregierung polemisch kritisiert.
  • Viele Twitter-Nutzer halten das Video für authentisch und verbreiten es weiter. Sie fühlen sich durch Peterson in ihrer politischen Haltung bestärkt.
Quellen
Online-Journalist Matthias ist Gründer und Herausgeber von THE DECODER. Er ist davon überzeugt, dass Künstliche Intelligenz die Beziehung zwischen Mensch und Computer grundlegend verändern wird.
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