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OpenAI stellt eine neue Plugin-Funktion für ChatGPT vor, die das Modell per Internetanbindung genauer und aktueller macht und die Möglichkeiten so enorm erweitert. Für Anbieter von Online-Inhalten, die vom Internet-Traffic leben, hat OpenAI jedoch keine Lösung parat - außer der Möglichkeit, sich dem Web-Crawling des Modells zu entziehen.

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Die ersten Plugins kommen von Drittanbietern wie Expedia oder Kayak für die Reise- und Routenplanung, Wolfram für komplexe mathematische Aufgaben oder Zapier, das zahlreiche andere Apps wie Google Sheets, Trello, Gmail und mehr in ChatGPT integriert.

Mit Klarna und Shop bindet OpenAI auch aktuelle Produktsuchen und mit Instacart sogar einen Bestellservice für lokale Geschäfte ein. ChatGPT hat über die Plugins Zugriff auf aktuelle und korrekte Informationen und kann so zwei der häufigsten Kritikpunkte (weitgehend) aushebeln. Die Trainingsdaten des Basismodells enden spätestens im Herbst 2021.

"Durch die Integration des expliziten Zugriffs auf externe Daten - z.B. aktuelle Online-Informationen, codebasierte Berechnungen oder über Plugins zugängliche Informationen - können Sprachmodelle ihre Antworten mit evidenzbasierten Referenzen untermauern", schreibt OpenAI.

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Ähnlich wie Metas Toolformer kann ChatGPT über die Plugins verbundene Schnittstellen (APIs) abrufen. Wenn ein Benutzer beispielsweise fragt: "Wo sollte ich in Paris ein paar Nächte verbringen?", ruft das KI-Modell eigenständig die Hotelreservierung-Plugin-API auf, empfängt die API-Daten und generiert daraus eine natürlichsprachige Antwort.

In der Entwicklungsdokumentation nennt OpenAI weitere Anwendungsszenarien für ChatGPT-Plugins wie das Abrufen von aktuellen Sportergebnissen, Börsenkursen und Nachrichten, das Abrufen von Informationen aus der Wissensdatenbank eines Unternehmens oder aus persönlichen Notizen.

OpenAI stellt zwei eigene Plugins vor und will Sicherheit priorisieren

OpenAI selbst bietet ein Web-Browsing-Plugin und ein Plugin zur Ausführung von Code in einer Sandbox an. Darüber hinaus stellt es den Code für ein Retrieval-Plugin als Open Source zur Verfügung. Dieses Plugin kann Informationen aus verschiedenen Quellen oder Systemen abrufen.

"Die Plugins sind noch sehr experimentell, aber wir glauben, dass hier etwas Großartiges entsteht, eine Funktion, nach der viele gefragt haben", schreibt OpenAI-Chef Sam Altman.

Das Code-Plugin für ChatGPT eignet sich laut OpenAI für die Lösung quantitativer und qualitativer mathematischer Probleme, für die Analyse und Visualisierung von Daten und für die Konvertierung von Dateien zwischen Formaten.

Empfehlung
OpenAI bietet eine Code-Sandbox als ChatGPT-Plugin an. | Bild: OpenAI

OpenAI vergleicht ChatGPT mit Code-Plugin mit einem "sehr eifrigen jungen Programmierer", der neue Arbeitsabläufe einfach und effizient gestalten und mehr Menschen an die Programmierung heranführen könne.

OpenAI freut sich über Feedback zur Rettung des Online-Ökosystems

Das Web-Browsing-Plugin basiert auf der Arbeit mit WebGPT. Es kann über Microsofts Bing in Echtzeit Informationen aus dem Internet abrufen und "diskutieren", wie OpenAI es nennt.

Spätestens hier macht OpenAI der herkömmlichen Internetsuche Konkurrenz und legt sogar den eigenen Suchprozess, jeden einzelnen Klick, offen. Auf Basis der Suchergebnisse kann dann mit ChatGPT weiter diskutiert werden.

OpenAIs Web-Browsing-Plugin generiert über Bing eine Internetsuche und integriert die gefundenen Resultate direkt in den ChatGPT-Chat. Ein Zugriff auf die Internetseite, die diese Information publiziert hat, ist nicht mehr nötig. | Bild: OpenAI

Webseitenbetreiber, die ChatGPT diese Informationen nicht zur Verfügung stellen wollen - schließlich verhindert die KI mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Klick auf die anbietende Webseite - können den ChatGPT-Crawler blockieren. In diesem Fall sieht der ChatGPT-Benutzer eine "Klick fehlgeschlagen"-Meldung im Chat-Interface.

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OpenAI räumt ein, dass ChatGPT mit Web-Browsing-Plugin das gesamte Content-Ökosystem im Web beeinflussen könnte, hat aber keine Lösung für dieses Problem - außer dem Crawler-Blocker. OpenAI betont, dass der Crawler nur auf Chat-Anfrage aktiv wird und nicht automatisch Seiten nach Informationen durchsucht.

"Wir sind uns bewusst, dass dies eine neue Art ist, mit dem Internet zu interagieren, und freuen uns über Feedback zu weiteren Möglichkeiten, den Datenverkehr zu den Quellen zurückzuführen und zur allgemeinen Gesundheit des Ökosystems beizutragen", schreibt OpenAI.

OpenAI will Sicherheit in den Vordergrund stellen - und beschreibt große Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

OpenAI wird die Plugin-Funktionalität nur schrittweise an Entwickelnde und Nutzende ausrollen, zunächst soll nur eine "kleine Gruppe" Zugang erhalten. ChatGPT-Plus-Nutzende haben Vorrang. Nach einer Alpha-Phase sollen Plugins auch für API-Nutzende zur Verfügung stehen. Bei Interesse kann man sich hier für eine Warteliste eintragen.

Als Grund für den zurückhaltenden Rollout nennt OpenAI neue Sicherheitsrisiken durch Plugins. Diese könnten schädliche oder unbeabsichtigte Aktionen ausführen und würden die Möglichkeiten böswilliger Akteure erweitern. OpenAI hat hier nach eigenen Angaben mit externen Red-Teaming-Partnern zusammengearbeitet und neue Sicherheitsmaßnahmen entwickelt.

In einem kürzlich vorgestellten Papier hat OpenAI zusammen mit Forschungspartnern die möglichen Auswirkungen großer Sprachmodelle auf den Arbeitsmarkt untersucht. Dabei beschrieb das Unternehmen auch die weitreichenden Auswirkungen von auf Sprachmodellen basierender Software, auf die es sich nun im Kontext der Plugin-Ankündigung bezieht. Sprachmodelle mit Zugang zu Werkzeugen hätten "wahrscheinlich viel größere wirtschaftliche Auswirkungen" als herkömmliche Sprachmodelle.

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Zusammenfassung
  • OpenAI stellt ChatGPT-Plugins vor, die das Basismodell um zusätzliche Funktionen wie Echtzeit-Internetsuche erweitern. In Zukunft wird ChatGPT sogar Pizza bestellen können.
  • Die Plugins werden nur schrittweise an Entwickler und Nutzer ausgerollt, um die Sicherheit zu gewährleisten. Zum Start gibt es eine Reihe von Plugins von Drittanbietern.
  • Insbesondere mit dem neuen Web-Browsing-Plugin, das direkt von OpenAI kommt und Inhalte direkt von Webseiten extrahiert und in den Chat integriert, könnte OpenAI die Art und Weise verändern, wie das Internet genutzt wird. Inhalteanbieter können den ChatGPT-Crawler blockieren.
Online-Journalist Matthias ist Gründer und Herausgeber von THE DECODER. Er ist davon überzeugt, dass Künstliche Intelligenz die Beziehung zwischen Mensch und Computer grundlegend verändern wird.
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