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Das Pitchdeck zum "Preferred Publisher Program" von OpenAI zeigt, dass sich das KI-Unternehmen zutraut, zu entscheiden, welche Medien "hochwertig" sind. Das ist ein Problem.

Laut einem an Adweek durchgesickerten Pitchdeck und Gesprächen mit vier Branchenvertretern bietet OpenAI ausgewählten Medien Partnerschaften im Rahmen seines "Preferred Publisher Program" an. Das Programm beinhaltet finanzielle Anreize in Abhängigkeit von der Anzahl der Aufrufe und eine prominentere Darstellung der Inhalte der Verlage in ChatGPT.

Im Gegenzug erhält OpenAI Zugang zu den aktuellen Inhalten der Verlage und zu den Archiven, um seine Modelle zu trainieren. Im Rahmen des PPP-Programms soll jedoch der Zugriff auf aktuelle Inhalte im Vordergrund stehen. Bisher haben sich Medien wie Associated Press, Axel Springer, Financial Times, Le Monde und Dotdash Meredith dem Programm angeschlossen.

Die Teilnahme am PPP soll laut Deck dazu beitragen, mehr ChatGPT-Nutzer zum Browsen, d.h. zur Internetrecherche über Chatantworten mit Links, zu bewegen. OpenAI erwartet, dass in Zukunft die Mehrheit der Nutzer diese Funktion nutzen wird. Gegenwärtig soll etwa ein Viertel der Benutzer ChatGPT wie einen Browser benutzen.

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PPP-Mitglieder können ihre Inhalte durch verschiedene Anzeigeprodukte wie Hover-Links, Anker-Links und Inline-Zitate prominent platzieren. Alle Produkte verweisen auf die Quelle.

Ein OpenAI-Sprecher bestätigte gegenüber Adweek "produktive Gespräche und Partnerschaften mit vielen Nachrichtenverlagen weltweit". Die durchgesickerte Version sei jedoch veraltet und enthalte "eine Reihe von Falschaussagen".

OpenAI als Torwächter des Chatbot-Ökosystems

Dennoch zeigt der Adweek-Bericht exemplarisch die Strategie von OpenAI. Laut Deck steht das Programm nur "ausgewählten, qualitativ hochwertigen Verlagspartnern" offen.

De facto maßt sich hier ein kleines, intransparentes US-Technologieunternehmen an, zu bestimmen, welche Medien weltweit vertrauenswürdige und qualitativ hochwertige Inhalte liefern. Das ist höchst problematisch.

Denn die von OpenAI vorgenommene Kategorisierung in "hochwertige" und implizit "minderwertige" Medien ist nicht transparent. Nach welchen Kriterien wird entschieden? Welche Rolle spielen politische, ideologische oder wirtschaftliche Interessen? Diese Fragen bleiben offen.

Empfehlung

Kein privates Unternehmen sollte bestimmen, was "guter" Journalismus ist - schon gar nicht ein KI-Unternehmen, das selbst im Fokus der Medien steht. Schon der Millionen-Deal mit Axel Springer wurde in den sozialen Medien heftig kritisiert. OpenAI hat auf diese Kritik nicht reagiert. Das zeigt die Einstellung des Unternehmens zur Transparenz.

Bild: via LinkedIn, Screenshot THE DECODER

Wer den KI-Markt heute beurteilt, kann den Ansatz von OpenAI und diese Vereinbarungen getrost als legitime Vereinbarungen zwischen zwei privaten Unternehmen durchgehen lassen. Die Durchdringung des Nachrichten- und Informationsmarktes durch ChatGPT ist trotz des bisherigen Erfolges unbedeutend.

Wer allerdings glaubt oder die Möglichkeit sieht, dass Chatbots die Zukunft des Informationsökosystems sind und eigene Websites und Medienplattformen perspektivisch ausgedient haben, sollte diese Deals kritisch hinterfragen.

Wenn OpenAI erfolgreich ist, was freilich derzeit alles andere als sicher ist, wird die Marktmacht über unser Informationsökosystem noch viel größer sein als die von Google heute.

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In einer kürzlich veröffentlichten, vermeintlich transparenten Darstellung, wie OpenAI mit Verlagen interagieren will, hat sich die Firma entlarvt. Denn zwischen den vielen PR-Floskeln ist die Botschaft versteckt: Wer nicht mitmachen will, kann gehen. Aber wer mitmachen darf, und zwar so, dass es sich rechnet, das bestimmen wir. Das ist Google - nur schlimmer.

Wünschenswert wäre daher zumindest die Offenlegung transparenter Kriterien, wann und in welchem Umfang ein Verlag Teil des OpenAI-Partnerprogramms wird. Hier ist die Politik gefordert, die derzeit der Marktrealität weit hinterherhinkt.

Das Beispiel Google sollte Warnung genug sein

Schon Google hat jahrelang mit der Verlagsbranche gespielt,
vor allem mit dem Ziel, ein gemeinsames Vorgehen der Verlage zu verhindern. Einzelne Verlage stellen ihre Interessen über die der Branche. Google hat das ausgenutzt, OpenAI ahmt es nach.

Alle Verlage, die sich freiwillig oder gezwungenermaßen in diese Abhängigkeit begeben haben, merken jetzt, da Google die Zügel anzieht und sich seine Reichweite für die eigene Vermarktung zurückholt, wie schädlich diese Abhängigkeit ist.

Finanziell, aber auch für die Qualität der Berichterstattung. Google hat mit seiner Distributionslogik wesentlich zur Banalisierung, Skandalisierung und Grenzüberschreitung der Online-Berichterstattung beigetragen.

Natürlich ist es legitim, dass OpenAI Partnerschaften mit den Medien eingeht, etwa für Trainingsdaten. Aber es braucht einen offenen Dialog auf Augenhöhe, keine Hinterzimmer-Deals. Die Medienbranche muss wachsam bleiben und ihre verbliebene Unabhängigkeit verteidigen, die durch Google bereits massiv gelitten hat.

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Zusammenfassung
  • OpenAI bietet ausgewählten Medien Partnerschaften im Rahmen seines "Preferred Publisher Program" an. Das Programm beinhaltet finanzielle Anreize basierend auf der Anzahl der Aufrufe und eine prominentere Platzierung der Verlagsinhalte in ChatGPT.
  • OpenAI erhebt den Anspruch, weltweit zu bestimmen, welche Medien vertrauenswürdige und qualitativ hochwertige Inhalte liefern. Die Kriterien für diese Kategorisierung sind jedoch intransparent und werfen Fragen nach politischen, ideologischen oder wirtschaftlichen Interessen auf.
  • Sollten Chatbots die Zukunft des Informationsökosystems werden, könnte OpenAI eine noch größere Marktmacht erlangen als Google heute. Die Politik ist daher gefordert, transparente Kriterien zu entwickeln, welche Medien wie und in welchem Umfang in Chatbots auftauchen und die Unabhängigkeit der Medien zu schützen.
Quellen
Online-Journalist Matthias ist Gründer und Herausgeber von THE DECODER. Er ist davon überzeugt, dass Künstliche Intelligenz die Beziehung zwischen Mensch und Computer grundlegend verändern wird.
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