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DEEP MINDS Podcast
Podcast über Künstliche Intelligenz und Wissenschaft
Bewusstsein, Kognition und Künstliche Intelligenz | DEEP MINDS #10

Das Metaverse ist ein Zeitpunkt und Meta will mehr wie Google sein: Warum und wie Mark Zuckerbergs Metaverse-Wette aufgehen könnte.

2017 verkündete Googles CEO Sundar Pichai einen Richtungswechsel von „Mobile first“ zu „AI first“. Das Unternehmen setzte bereits seit Jahren auf Machine Learning im Kerngeschäft Suchmaschine, für Empfehlungen auf YouTube und hatte ein Jahr vorher den Google Assistant gestartet.

In den folgenden Jahren wuchs bei Google Künstliche Intelligenz immer stärker mit der eigenen Soft- und Hardware zusammen. Heute setzen nahezu alle Google-Services auf KI – von Google Maps, über YouTube und Kamera bis hin zur automatischen Transkription der Recorder-App. Das neueste Google-Smartphone Pixel 6 setzt zudem auf einen für KI-Berechnungen optimierten Chip, der die zahlreichen KI-Funktionen schneller ausführen soll.

Google betreibt außerdem Grundlagenforschung, entwickelt neue Übersetzungssysteme, eine neue Generation von Dialogsystemen oder KI-Systeme für die medizinische Diagnostik. Das Schwester-Unternehmen Deepmind bringt Künstliche Intelligenz derweil in die Biologie, Mathematik, Materialwissenschaft oder Plasmaphysik.

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Kurz: Googles Erfolge als Suchmaschine, als Hardware-Produzent und als Anbieter des größten Mobil-Betriebssystems und der Software-Plattform Android gründen zu guten Teilen im erfolgreichen Rückgriff auf Künstliche Intelligenz.

Facebook will mehr als eine App sein

Auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg erkannte das Potenzial Künstlicher Intelligenz früh und heuerte 2013 den KI-Forscher und Turing-Preisträger Yann LeCun an. LeCun half, das vielfältige Geflecht von Metas KI-Grundlagenforschung, KI-Produktentwicklung und KI-Infrastrukturentwicklung aufzubauen.

Anfangs schienen sich Facebooks KI-Ambitionen auf automatisierte Moderationssysteme, Chatbots und KI-Übersetzung zu beschränken. Der Versuch, Facebook via Facebook Home 2013 als eine Art Startseite auf Smartphones zu bringen, scheiterte. Doch er zeigte schon damals, dass Zuckerberg versuchte, Facebook aus seiner Rolle als soziales Netzwerk und Marketing-Plattform herauszuführen.

Der Kauf von Oculus VR ein Jahr später und die Entscheidung, mit der VR-Hardware ein geschlossenes Ökosystem zu schaffen, verdeutlichten erneut, dass Zuckerbergs Unternehmensstrategie über Social Media hinausgeht.

Jetzt zeigt sich, wo Facebook die von Google vorgelebte Verbindung von KI mit Soft- und Hardware im großen Stil einsetzen könnte: im Metaverse.

Empfehlung

Facebook wird Meta Platforms

Wie ernst es Meta mit dem Metaverse ist, unterschätzten wohl viele – bis im Oktober auf der XR-Konferenz Facebook Connect, der für gewöhnlich wenig Aufmerksamkeit zuteilwird, Facebook zu Meta Platforms wurde.

Facebook, Instagram und WhatsApp bleiben Services, die von Meta betrieben werden, doch die Zukunft sieht Zuckerberg im Metaverse. Ist das nur ein Schachzug, um negativen Schlagzeilen, Regulierungen oder einer Zerschlagung zu entgehen? Nein, denn dafür ist die Wette zu groß, ein Scheitern zu teuer.

Was also ist für Zuckerberg dieses Metaverse – und warum verwettet er die Zukunft seines Unternehmens darauf?

Das Metaverse ist ein Zeitpunkt

Es gibt zahlreiche Definitionen des Metaverse-Begriffs. Alle haben ein Element von immersiven Erlebnissen in digitalen 3D-Welten. In einem aktuellen Interview mit Podcaster Lex Fridman erklärt Zuckerberg das Metaverse allerdings nicht als Konstrukt vernetzter virtueller Orte.

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Stattdessen beschreibt der Meta-CEO das Metaverse als den Zeitpunkt, ab dem wir große Teile unserer alltäglichen digitalen Arbeit und Freizeit in immersiven 3D-Umgebungen mit VR- und AR-Brillen erledigen und verbringen.

Das Metaverse ist also dann da, wenn wir in diesen virtuellen Umgebungen arbeiten, Kontakte knüpfen, Medien konsumieren, kreativ sind und spielen. Mit zunehmendem Wachstum wird das Konzept Metaverse über kurz oder lang zum Nachfolger des mobilen Internets respektive dessen Weiterentwicklung.

Zuckerbergs Definition könnte sich an einen Tweet des ehemaligen Twitch-Managers Shaan Puri anlehnen: „Das Metaversum ist der Moment, in dem unser digitales Leben mehr wert ist als unser physisches Leben“, schrieb Puri Ende Oktober 2021 nach Facebooks Meta-Transformation.

Künstliche Intelligenz als Fundament fürs Metaverse

Bis zu diesem Zeitpunkt braucht es gerade bei immersiven Technologien noch viele Fortschritte bei Soft- und Hardware. „Der Schlüssel zu vielen dieser Fortschritte sind Fortschritte in KI“, so Zuckerberg kürzlich auf Metas erster KI-Konferenz „Inside the Lab“. Künstliche Intelligenz sei die vielleicht wichtigste Grundlagentechnologie für das Metaverse.

Neben universellen Übersetzern und einem Builder-Bot für das Metaverse kündigte Meta auch die erste Version einer neuen Generation von KI-Assistenz an. Diese soll uns in Zukunft durch echte und virtuelle Welten begleiten und diese dank der Brillen-Perspektive durch unsere Augen entdecken können.

„Wenn wir eine Brille auf dem Gesicht tragen, wird ein KI-System zum ersten Mal in der Lage sein, die Welt wirklich aus unserer Perspektive zu sehen“, so Zuckerberg. Die Konferenz zeigt etwa einen Assistenten, der beim Kochen Tipps über die AR-Brille einblendet.

Da smarte Geräte immer besser verstehen und vorhersehen könnten, was wir wollen, würden sie zunehmend nützlicher. „Ich erwarte, dass sich diese Trends in Zukunft noch verstärken werden“, sagt Zuckerberg. An ebendieser Zukunft will Meta teilhaben – mindestens.

Meta will anführen statt nachlaufen

Zuckerberg glaubt an das Metaverse als Nachfolger des mobilen Internets, als Zukunft der digitalen Arbeit und des digitalen Lebens. Den Einstieg in den mobilen Markt, für Smartspeaker und Wearables hat Facebook verpasst – und damit auch den Einstieg in die lukrative Welt des App-Verkaufs, der Mikrotransaktionen und von Software-Abos.

Im Metaverse soll nun alles anders laufen: Die Inhalte der eigenen KI-Konferenz zeigen, dass das Unternehmen mit der von Google bekannten Symbiose aus KI, Soft- und Hardware versuchen wird, ein zentraler Spieler in der nächsten Phase der digitalen Transformation zu werden.

Metas Horizon ist dabei nur eine von zahllosen Welten, die eine Meta-Hardware auf unseren Nasen subventionieren wird. Geld wird das Unternehmen als Metaverse-Marktplatz verdienen: mit Werbung, Gebühren für App-Verkäufe, NFTs und vielen weiteren Angeboten. Metas Assistent wird uns in der virtuellen und echten Welt begleiten und so an das Meta-Ökosystem binden.

Wenn das Metaverse kommt, ist Meta der neue Pionier

Mit Meta Quest 2 und der bereits angekündigten nächsten VR-Brille Project Cambria, die durch zusätzliche Sensoren für die Augen- und Gesichtserfassung den sozialen Aspekt von VR stärker bedienen soll, ist Meta der derzeit führende Hersteller von VR-Brillen. Das Unternehmen arbeitet außerdem an kollaborativer Software, hat mit Oculus ein sich selbst erhaltendes VR-Ökosystem geschaffen, forscht an AR-Brillen und hat fast eine Dekade lang KI-Abteilungen aufgebaut.

Mit LeCun hat Meta zudem einen KI-Pionier an der Spitze, der an seine Visionen glaubt: Im Rahmen der „Inside the Lab“-Konferenz betonte er erneut die Rolle des selbstüberwachten Lernens für die KI-Entwicklung und stellte eine Architektur für „autonome KI“ vor.

Meta ist hervorragend aufgestellt, um eine zentrale Rolle im Metaverse-Zeitalter zu spielen und damit die eigene Rolle im Big-Tech-Wettbewerb auszubauen. Die entscheidende Frage für Metas weiteres Schicksal ist: Wenn das Metaverse ein Zeitpunkt ist – hat Meta ihn richtig kalkuliert?

Weiterlesen über das Metaverse:

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Max ist leitender Redakteur bei THE DECODER. Als studierter Philosoph beschäftigt er sich mit dem Bewusstsein, KI und der Frage, ob Maschinen wirklich denken können oder nur so tun als ob.
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